Saiten Wochenschau

Henning May, seine Stimme sowie seine Band AnnenMayKantereit sind Geschmackssache – genauso wie die Rap-Truppe K.I.Z. Vor über zehn Jahren lieferten sie allerdings gemeinsam einen (Sommer-)Hit, der angesichts der aktuellen Temperaturen, die sich so anfühlen, als sässe man in einem Backofen oder auf der Oberfläche der Sonne, noch besser passt: «Erinnerst du dich noch, als sie das grosse Feuer löschen wollten? … Sie dachten echt, ihre Scheisse hält ewig … Und wir singen im Atomschutzbunker / Hurra, diese Welt geht unter!»

Der Song handelt vom Happy End, nachdem die Welt untergegangen ist, von jenen, die überlebt haben, und davon, dass sich die Natur zurückholt, was ihr genommen wurde. Klingelt da was? Wie lange wissen wir denn schon, welche Folgen der Klimawandel hat? Welcher Staat erreicht seine Klimaziele? Und was machen eigentlich die ganzen Klimaleugner:innen?

Unsereins würde sich wünschen, diese steckten mit ihren SUVs im Leipziger Lava-Asphalt fest – oder bei Quarten auf der Autobahn, wo die Hitze den Asphalt ebenfalls aufplatzen liess. Hübsch wäre auch, wenn sie ihre Alu-Hüte nach dem Tornado über dem Bodensee irgendwo aus einer Felsspalte im Alpstein kratzen oder bis zu den Knien in Regenpfützen stehen müssten, während ein Unwetter das Stromnetz lahmlegt.

Mittlerweile sollte auch den Letzten klar geworden sein, dass uns bald alles um die Ohren fliegen wird und der besungene Atomschutzbunker der einzig kühle Ort sein dürfte – jedenfalls für jene, die sich einen leisten können. Denn wer kann, sitzt aktuell in einem netten Büro vor einer Klimaanlage oder macht frei. Einige Menschen müssen aber draussen arbeiten, mehrere Jobs jonglieren, wohnen auf kleinem, ungekühltem Raum, andere – Tiere, Pflanzen und Menschen – verlieren infolge des Klimawandels sogar ihr Zuhause, ihre Nahrungsmittel oder ihr Leben.

Zwar will der Kanton St.Gallen neue Windparks in Wattwil und Mosnang bauen und ein mutiger Beat Rütsche (Mitte) fragt den St. Galler Stadtrat zu Recht, weshalb der Denkmalschutz bei der Ausrichtung von Solarpanels auf Dächern mitreden darf. Doch es fehlt nicht nur in der Region an Einsicht, Massnahmen und Umsetzungswillen, weil sich Klimaneutralität offenbar noch immer nicht «lohnt». Erst vor zwei Wochen hat das Parlament in Bern beschlossen, den Atomausstieg zu revidieren – natürlich nicht auf Kosten der erneuerbaren Energien, nein, nein. Ausserdem gilt ab heute im Kanton St. Gallen ein Feuerverbot wegen Waldbrandgefahr und in Appenzell Innerrhoden wegen der sinkenden Wasserstände ein «Wasserentnahmeverbot für sämtliche Fliessgewässer».

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