Steuerflüchtige Briefkastenfirmen bringen zwar keine Arbeitsplätze und auch sonst wenig volkswirtschaftliche Vorteile für eine Region, aber immerhin: Sie verursachen auch keinen Pendlerverkehr. Wie das «St.Galler Tagblatt» heute vorrechnet, zeigt sich nämlich, dass der Verkehr auf der Teufener Strasse in der Periode 2023-2025 im Vergleich zur Periode 2017-2019 um 4 Prozent zurückging. Ganz ohne Autobahnanschluss Güterbahnhof.
Die Zahlen stammen aus Erhebungen des kantonalen Tiefbauamtes und zeigen, dass für dieselben Zeiträume auch auf drei weiteren St.Galler Zufahrtsstrassen der Verkehr abgenommen hat: an der Rorschacherstrasse und der Rehetobelstrasse um je rund 2 Prozent, an der St.Galler Strasse (Wittenbach) sogar um fast 6 Prozent. Nur auf der Zürcherstrasse hat er um knapp 3 Prozent zugenommen, was mit dem Ausweichverkehr aufgrund der Bauarbeiten auf der Stadtautobahn zu tun haben könnte.
Aber ansonsten: Abwärtstrend. Der VCS jubelt. Der Kanton bleibt zurückhaltend. Es sei nicht seriös, aufgrund dieser Daten – die das Tiefbauamt notabene selber erhoben hat – mögliche Post-Corona-Effekte (Homeoffice, E-Bike-Trend) in eine langfristige Verkehrsentwicklung umzudeuten. Und weil das Autobahnprojekt des Bundes wegen des Volksneins sistiert ist, erhebt das St.Galler Tiefbauamt bis auf Weiteres auch keine seriöseren Zahlen zur städtischen Verkehrsentwicklung. Sonst müssten die Behörden womöglich noch zurückbuchstabieren bei ihren feuchten, mit Bundesmillionen alimentierten Strassenbauträumen. Nicht auszudenken, in welche Erklärungsnöte ein Projektstopp die nützlichen Idiot:innen der Auto- und Erdöllobby bringen würde.
Das Vorgehen taugt auch auf anderem Gebiet, zum Beispiel um endlich diese lästige «Klimahysterie» zu beseitigen: Einfach keine langfristigen Zahlen mehr erheben. Dann wird aus jedem Hitzesommer ein Einzelfall. Und solche bedürfen bekanntlich keiner politischen Beachtung.