Saiten Wochenschau

Ja sind wir denn auf der Titanic? Seit Dienstag herrscht jedenfalls wiedermal Untergangsstimmung in St.Gallen. Als erster Eisberg knallten die Helvetia-Versicherungen gegen den Bug der selbsternannten Ostschweizer Metropole. Sie gaben bekannt, infolge der Fusion mit der Baloise den Hauptsitz der Gruppe nach stattlichen 167 Jahren nach Basel verlegen zu wollen. Kaum angekündigt, setzte der Abgesang auf den Wirtschaftsstandort St.Gallen ein. Steuersubstrat weg, Arbeitsplätze weg, Image beschädigt, hallo Wirklichkeit. Da hilft auch der Hauptsitz der Raiffeisen-Gruppe nicht viel, von wegen Image. Vorstösse im Stadtparlament und im Kantonsrat wurden eingereicht, aus denen die Hilflosigkeit genauso trieft wie aus der Steuerpolitik des Kantons, die ausser Millionendefiziten nichts gebracht hat.

Als wäre das nicht genug, droht der Kantonshauptstadt auch noch ein Entwicklungsstillstand. Sagt SVP-Mann René Neuweiler, der diesen zweiten Eisberg erspäht und an der Sitzung des St.Galler Stadtparlaments vom Dienstag eine Interpellation eingereicht hat, die für dringlich erklärt wurde. Hintergrund ist gemäss dem Vorstoss eine Aussage von Baudirektor Markus Buschor im «St.Galler Tagblatt» vom 13. März, wonach die bauliche Entwicklung des Güterbahnhofareals nicht vor der Revision der Ortsplanung erfolgen kann. Und weil die erst 2027 öffentlich aufgelegt werden soll, liegen alle Bauprojekte mit Sondernutzungsplan – also praktisch alle grösseren –, die bis dahin nicht rechtskräftig sind, erstmal auf Eis.

Genug der baujuristischen Schlaftabletten. Wir haben jedenfalls gleich mehrfach gestaunt über diesen Vorstoss. Zum einen deshalb, weil diese Aussage von Markus Buschor bereits im Güterbahnhof-Schwerpunkt in unser Februar-Ausgabe zu lesen war, also eineinhalb Monate vor dem «Tagblatt»-Artikel. Zum anderen wegen der augenfälligen Ähnlichkeit gewisser Passagen zum Saiten-Text. Und kann uns jemand sagen, wer dieser zitierte St.Galler Architekt David Senn ist? Allenfalls eine freudsche Kreuzung aus dem Architekten Andy Senn und einem unserer Redaktionsgspänlis, zufälligerweise Co-Autor des besagten Saiten-Texts? Weiss der Geier (oder die Elster).

So, wir verziehen uns in den Ausguck unseres Saiten-Schiffs und schippern eisbergfrei ins Wochenende – ihr hoffentlich ebenso.

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