2016 sagte der reformierte Pfarrer Josef Hochstrasser zum «St.Galler Tagblatt»: «Fussball ist eine Religion.» Selbst für Leute, die dieser Weisheit skeptisch gegenüberstehen, kommt dieses Wochenende wohl beides zusammen. Denn spätestens am Sonntag zum Cupfinal ist ein Grossteil der Stadt voller Fussball-Euphorie. Hoffentlich noch bis Montag. Und weil dann alle Läden zu sind, ist auch allen bewusst, dass Feiertag ist.
An Pfingsten, heisst es, sei der Heilige Geist in die Menschen gefahren und so gewissermassen die Kirche geboren worden. Und diese hat bekanntlich seit jeher klare Vorstellungen und Regeln. Auch was die Rolle von Frauen angeht und was diese mit ihren Körpern anstellen sollen oder dürfen. Möglicherweise ist dies auch der Grund dafür, dass konservative und christliche Parteien immer wieder lautstark nach Massnahmen im Bereich Prostitution oder Sexualkunde rufen. Mit beidem sah sich die St.Galler Kantonsregierung kürzlich konfrontiert.
Im März reichte die Mitte-EVP-Fraktion eine Motion ein, die «Massnahmen zur Prävention von Prostitution und Menschenhandel» verlangte. Darin forderten die Motionär:innen unter anderem die Einführung des nordischen Modells im Kanton St.Gallen. Dieses stellt den Kauf sexueller Dienstleistungen unter Strafe. Während sich zwar alle einig sind, dass Menschenhandel gestoppt werden muss, verlagert das nordische Modell die Sexarbeit in die Illegalität, wodurch die Situation für Sexarbeiter:innen prekärer wird. So sieht es auch die Regierung in ihrer Antwort und ihrem Entscheid, auf die Motion nicht einzutreten.
Etwa zeitgleich antwortete sie auf eine Interpellation aus konservativen und kirchlichen Kreisen, die den Sexualkundeunterricht an Schulen infrage stellten (näheres im Artikel von René Hornung). Auch hier zeigt sich die kantonale Regierung aufgeklärt und entscheidet im Sinne der Kinder, den Unterricht «lehrplankonform» wie bisher weiterzuführen. Damit eignet sich das Wochenende gut, um St.Gallen zu feiern.