Saiten Wochenschau

Es gibt wohl wenige Ereignisse, bei denen sich ein Grossteil der Menschen noch ganz genau erinnern kann, was sie in dem Moment gemacht haben, als sie davon erfahren haben. «9/11» ist so ein Ereignis. Die Flugzeuge, die in New York in die Twin Towers donnern. Die Flammen, die Rauchsäulen, die Explosionen. Die einstürzenden Gebäude. Viele, die diesen Tag miterlebt haben, wissen noch, wo sie davon erfahren oder die ersten Bilder gesehen haben.

Die islamistischen Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001, bei denen fast 3000 Menschen ihr Leben verloren, jähren sich heute zum 25. Mal. Sie haben die Welt nachhaltig verändert, und die Folgen sind bis heute spürbar. Auch in der Schweiz.

Für viele Muslim:innen bedeutete der 11. September eine Zäsur. Sie sahen sich plötzlich unter Generalverdacht und müssen sich bis heute für ihre Religion rechtfertigen – unter anderem wegen der Terroranschläge, die islamistische Extremisten seit «9/11» auch in Europa verübt haben. In der Schweiz ist der antimuslimische Rassismus in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das zeigt der vom Bund veröffentlichte Bericht zu Rassismusvorfällen für das Jahr 2025, der 1245 Diskriminierungsfälle dokumentierte (neuer Höchststand – die Dunkelziffer dürfte weitaus höher sein). Die stärkste Zunahme im Vergleich zum Vorjahr gab es beim antimuslimischen Rassismus. Und die rechtskonservativen Kräfte in der Politik führen einen regelrechten Kreuzzug gegen Muslim:innen. Wie weit die Ablehnung geht, zeigte sich in den vergangenen Monaten nur schon in den Diskussionen um ein muslimisches Grabfeld in Weinfelden oder die neue Moschee in St.Gallen. Dinge, die niemandem wehtun.

Woher kommt dieser Hass auf «fremde» Kulturen und Menschen, der unsere Gesellschaft vergiftet? Wann lernen wir endlich, dass es sozialen Frieden nicht geben kann ohne Dialog? Um ihn zu schützen, müssen wir einander die Hand reichen, statt verbal (oder noch schlimmer tätlich) zuzuschlagen, sobald sich die Gelegenheit dazu bietet. Vielleicht erinnert uns «9/11» heute daran, dass wir endlich damit anfangen sollten.

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