Der Kulturnewsletter geht in die vierte Runde – diesmal mit dabei: das Buch Queer Kids von Christina Caprez. Es zeigt eindrücklich, dass auf dem Weg zu einer toleranten Gesellschaft noch viel zu tun bleibt.
Zwar gewinnt Nemo den ESC, RuPaul’s Drag Race ist ein Netflix-Hit und Queer Eye hat neun Staffeln, Kim de l'Horizons Blutbuch wurde mehrfach ausgezeichnet, Girl in Red und Chappell Roan singen über queere Liebe, wir haben Filme wie Love Lies Bleeding oder Call Me by Your Name. Queerness ist in Kunst und Kultur angekommen. Wer daraus aber schliesst, dass sie auch in der Gesellschaft selbstverständlich ist, verkennt die Realität.
Noch immer erleben queere Menschen massive Diskriminierung, das Wort schwul ist auch 2025 noch ein gängiges Schimpfwort. Wie schnell die Rechte queerer Menschen untergraben werden, zeigt ein kurzer Blick in die USA: Das geschlechtsneutrale «X» im Pass gibt es nicht mehr, und Schulen müssen mit Finanzkürzungen rechnen, wenn sie Vielfalt oder Rassismus thematisieren.
Der Weg zu einer offenen und solidarischen Gesellschaft ist keine Einbahnstrasse. Und auch hierzulande ist Toleranz kein Selbstläufer!
Karl Popper sprach vom Toleranz-Paradoxon: Wer Intoleranz toleriert, riskiert, dass echte Toleranz am Ende ganz verschwindet.