«Eis mueni säge: Die Fraue müend jetzt selber sich am Rieme riisse und müend luege, dass sie das ufene höchere Level herebringe tönd. Will sie chönd nöd immer warte, bis d Understützig vo dä andere Siite her chunnt, sondern sie müend jetzt selber d Lüüt mitriisse und luege, dass sie d Lüüt is Stadion bringed. Und denn hört au die ewig Diskussion uf, mir wönd glich viel Geld verdiene wie die andere. Da goht im Moment jetzt eifach nöd.» Das war das an Sinnfreiheit kaum zu überbietende Schlusswort am gestrigen «Stammtisch» von TVO, herausposaunt von Roland Gutjahr, Thurgauer Unternehmer und FCSG-Aktionär. Und gleichzeitig der Tiefpunkt einer an Gutjahr-Sinnfreiheiten reichen Sendung (in der übrigens Reto Antenen einen wunderbaren Sparringspartner abgab).
Seit Mittwoch läuft in der Schweiz die Fussball-EM der Frauen, heute findet das erste Spiel in St.Gallen statt – im Stadion, dessen Stahlkonstruktionen von der Gutjahr-Firma Ernst Fischer AG stammen. Vielleicht ist Gutjahr ja entgangen, dass mit über 600’000 verkauften Tickets bereits vor dem Start des Turniers ein neuer Rekord aufgestellt wurde und etliche Spiele ausverkauft sind. Die EM ist unbestritten eine riesige Chance, dem Frauenfussball in der Schweiz zusätzlichen Schwung zu verleihen. Das wird aber nur möglich sein, wenn man auch über dessen strukturelle Defizite redet, die vom SFV über die Regionalverbände bis zu den Klubs reichen.
Aber sehen wir es positiv, so wie Roli die Sommerhitze («isch doch öppis Schös, es chert denn no schnell gnueg»): Die UEFA hat das Preisgeld für die Endrunde von 16 Millionen Euro (EM 2022) auf 41 Millionen erhöht. Den Turniersiegerinnen winken bestenfalls 5 Millionen. Zum Vergleich: Bei der EM der Männer im vergangenen Jahr betrug das Preisgeld insgesamt 331 Millionen Euro, jedes Team kassierte allein über 9 Millionen Startgeld. Und die FIFA, die nichts Besseres wusste, als parallel zur Frauen-EM ihre neue Klub-WM zu veranstalten, überschüttet die 32 teilnehmenden Klubs mit irrsinnigen rund 900 Millionen Euro. Also, liebe Frauen, reisst euch gefälligst ein bisschen am Riemen, statt um Unterstützung «von der anderen Seite» zu betteln.
Apropos: In unserem aktuellen Heft gehen wir der Frage nach, wie nachhaltig die gestiegene Aufmerksamkeit durch die EM für den Frauenfussball in der Schweiz und in der Region sein kann, zumindest in der Theorie (siehe Text unten). In diesem Zusammenhang ist es durchaus erfreulich, dass Roland Gutjahr nur Aktionär des FCSG ist und nicht Verwaltungsrat, der unter anderem über den Stellenwert des Frauenteams im Klub zu bestimmen hätte. Wir schliessen uns jedenfalls unserer ehemaligen Kolumnistin Anna Rosenwasser an, die allen Rolands – ihrem Sinnbild für patriarchale Ungerechtigkeit – ein «Figg di» entgegnet.