«Die katholische Kirche ist weiblich!» Diese etwas irritierende Botschaft flatterte vor zwei Tagen in unser Postfach. Absender war nicht irgendein dubioses Umfrageinstitut, das sich an unserem Spam-Filter vorbeigemogelt hatte, sondern Katholisch St.Gallen, wie die katholische Kirche in der Stadt des Heiligen Gallus seit dem Rebranding von dieser Woche heisst.
Was fast schon ketzerisch tönt, ist rechnerisch belegt: Zehn Personen leiten die 13 Pfarreien in St.Gallen und Gaiserwald – sieben davon sind ab August Theologinnen. «Eine beachtliche Frauenmehrheit, die weder politisch noch unternehmerisch gefördert werden musste», schreibt Katholisch St.Gallen in der Mitteilung. Also keine Quotenweiblichkeit, sondern der Ausdruck des freiwilligen Engagements, das gerade im kirchlichen Umfeld oft von Frauen geleistet werde.
Die Weiblichkeit hat jedoch auch im st.gallischen Dorf ihre Grenzen, dafür sorgen schliesslich die Regelhüter im fernen Bistum Rom. Zwar laufen ihnen die Schäfchen im (katholischen) Abendland seit Jahren davon, weil die Hirten so einiges nicht auf die Reihe kriegen. Ihr Einfluss auf die Basis ist aber ungebrochen, Reform ein Fremdwort, Widerstand zwecklos. Katholisch St.Gallen wird sich wohl noch ein paarmal rebranden, bis der Schritt von einer Pfarreibeauftragen zur Priesterin möglich sein wird. Ganz zu schweigen von höheren Ämtern.
Wenn wir schon dabei sind: In rund zwei Wochen steht fest, wer der neue St.Galler Bischof wird. Am 23. April wird er gewählt, etwa zwei Tage später vom Bischof von Rom – also Papst Franziskus – bestätigt. Wir nehmen Wetten entgegen, wann eine Päpstin eine Bischöfin bestätigen wird. Der Gewinn wird an unsere oder eure Ur-Ur-Enkel:innen ausgezahlt.
Es wäre schön, wenn die Weiblichkeit in der katholischen Kirche St.Gallen mehr wäre als nur ein Symbol. Vielleicht kann man es auch so sehen: Während in St.Gallen die Frauen die Pfarreien führen, wirkt der Vatikan zunehmend wie das gallische Dorf aus Asterix – ohne Miraculix, dafür mit Pontifex und viel Weihrauch.