Wo sind die Grenzen der Meinungsfreiheit? Und soll man jene Ideen, welche die grundlegendsten Werte unserer Gesellschaft verachten und unsere Demokratie bedrohen, öffentlich diskutieren oder bewusst ignorieren? Seit bekannt wurde, dass der rechtsextremistische US-Blogger Curtis Yarvin diese Woche am Symposium an der Universität St.Gallen auftreten sollte, dominierten solche Fragen das St.Galler Stadtgespräch. Yarvin ist zweifellos die umstrittenste Figur, die je eingeladen wurde. In seiner Theorie des «Neokameralismus» fordert er die Abschaffung der Demokratie und propagiert von alleinherrschenden CEOs geführte Staaten.
Die Verantwortlichen des Symposiums und der HSG rechtfertigen die Einladung. «Ideologisch einflussreiche Stimmen verlieren nicht durch Ausblendung an Wirkung, sondern durch fundierten Widerspruch», sagte Symposium-CEO Beat Ulrich im «St.Galler Tagblatt». Mitarbeitende und Student:innen der Universität St.Gallen kritisierten sie derweil in einem offenen Brief in aller Deutlichkeit. Yarvins extreme Ansichten lägen «ausserhalb des akzeptablen Diskurses».
Unser Autor Philipp Bürkler hat Yarvins Auftritte an der HSG besucht und hatte auch die Gelegenheit, mit ihm persönlich zu sprechen. Er kommt zum Schluss: Trotz aller berechtigten Kritik war die Einladung richtig. Denn die Haltungen, die rechte Ideologen wie Yarvin, Peter Thiel oder Alice Weidel vertreten, seien längst Teil des politischen Diskurses. Die Auseinandersetzung damit sei deshalb wichtig. Philipp Bürklers Einordnung findet ihr weiter unten.
Wir nehmen diesen Diskurs gerne auf: Was ist eure Meinung? War es richtig, Yarvin ans Symposium einzuladen, um seine Positionen argumentativ zu entkräften, oder sollten Vertreter:innen solcher Ideologien grundsätzlich keine öffentliche Bühne bekommen, schon gar nicht an einer Universität? Schreibt uns auf redaktion@saiten.ch.
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