Wer noch eine Brille ergattern oder die von 1999 rechtzeitig aus irgendeinem verstaubten Karton graben konnte, hat vorgestern vermutlich konzentriert in die Sonne geschaut und je nachdem viel gehustet. Vielleicht im Alpstein. Dort soll man die Sonnenfinsternis besonders gut gesehen haben. Unter Astrolog:innen heisst es, dass eine Sonnenfinsternis für Grosses stehe, für Neuanfänge und radikale Veränderungen.
Ob dies für alle gilt oder nur für jene, die ohne die seltsame Brille in den Feuerball geguckt und bleibende Schäden davongetragen haben, ist unklar. Viel Esoterik braucht es allerdings nicht, um vorherzusehen, dass am Wochenende Grosses ansteht: Am St.Galler Fest werden rund 120’000 Besucher:innen erwartet. Wer darauf keine Lust hat, braucht vermutlich mehr als Bachblüten oder sollte direkt im Alpstein bleiben.
Da oben hat es vielleicht sogar noch Wasser, im Gegensatz zum von der Dürre geplagten Tal. Denn kurz bevor die Pegelstände steigen sollen, schliesst die Badi in Uznach wegen Wasserknappheit, der Bodensee wird immer mehr Boden und immer weniger See, Blaualgen haben die Thur gekapert und man kann nicht mal mehr guten Gewissens ein kaltes Bad nehmen: Schon vor einem Monat hat der Kanton zum Sparen von Trinkwasser aufgerufen.
Neben den Geschichten über Wasserknappheit und verheerende Waldbrände in weiten Teilen Europas werden aber auch diese in Erinnerung bleiben: In Liechtenstein kämpfen Frauen für das Recht auf ihren eigenen Körper, das Recht auf Abtreibung, im Aargau jagte ein schrecklicher Fall von sexualisierter Gewalt an Frauen den nächsten und im Juli wird eine Frau in Erlen getötet. Damit zählt die Schweiz in diesem Jahr 16 Femizide. In Deutschland waren es allein im Juli derer 16 und in Frankreich rannte ein Mann durch die Pariser Strassen und stach auf mehrere Frauen ein. Eine Sonnenfinsternis wird das alles wohl nicht richten.