Chur kanns also doch. Anfang Jahr hat «Das Magazin» publik gemacht, wie schlampig die Behörden den Brand einer Churer Asylunterkunft 1989 untersucht haben. Damals sind zwei tamilische Buben, ein Teenager und ein Mann umgekommen. Von Anfang an stand der Verdacht auf eine rechtsextremistisch motivierte Tat im Raum. Innerhalb von zehn Monaten brannten 1989 im Bündnerland vier Asyleinrichtungen und es kursierten rassistische Flugblätter einer «Anti Tamilen Organisation».
Nachdem man sich einer Auseinandersetzung mit dem Thema jahrelang verweigert hat, scheint in der neuzusammengesetzten Churer Stadtregierung ein Umdenken stattgefunden zu haben. Wie der «Tages-Anzeiger» diese Woche schreibt, hat sie angekündigt, infolge der neuen Erkenntnisse aus der «Magazin»-Recherche nun «nicht mit symbolischer Zurückhaltung, sondern mit Entschlossenheit und Haltung» handeln zu wollen. Zur Anbringung einer bereits früher geforderten, aber abgelehnten Gedenktafel soll es auch einen Gedenkanlass geben. Zudem stehen Strassenumbenennungen mit den Namen der Opfer zur Debatte. Und man will auf die Universitäten des Landes zugehen, um die Geschichte historisch aufzuarbeiten. Die Verantwortung über die Untersuchung der polizeilichen und juristischen Versäumnisse liege aber beim Kanton.
Auch im Thurgau wäre bald einmal der Kanton gefordert, aber in anderer Angelegenheit: Bei der Firma Forster Swiss Home warten die 135 Mitarbeitenden weiter auf ihren Aprillohn – und das trotz angeblich voller Auftragsbücher. Von Seiten der Unia ist nun zu hören, dass hinter den Kulissen ein Machtkampf unter den Gesellschaftern tobe. Die beiden Mehrheitsaktionäre weigerten sich offenbar, auf ein Angebot des dritten Gesellschafters, des umtriebigen Winterthurer Immobilienunternehmers Giovanni Cerfeda, einzutreten. Dieser tüftle seit Mitte 2024 an einer «feindlichen Übernahme». Cerfeda? Da läuten doch die Glocken – respektive eben nicht. Das ist der Mann, der auch seit Jahren die Wiederbelebung der St.Galler St.Leonhards-Kirche blockiert, obwohl er nach deren Kauf vor mittlerweile 20 Jahren rasch eine kulturelle Nutzung in Aussicht stellte.
Winterthur in der Ostschweiz geht aber auch sympathisch. Zwar kriegen unsere Grün-Weissen regelmässig gegen die Jungs von der «Schützi» auf die Mütze, wie letzten Samstag zuhause mit der 1:4-Klatsche. Aber wenn die FCSG-U19-Mannschaft ihren diesjährigen Cupsieg am Rande des Matchs der 1.Mannschaft im Halbschuhpark feiert, dann applaudieren lautstark auch die angereisten Winti-Fans. Von dieser charakterlichen Grösse dürfen sich Typen vom Schlage eines Taulant Xhakas («Tod und Hass dem FCZ»-Rufe während der Basler Meisterfeier) gerne eine fette Scheibe abschneiden.
Apropos Halbschuhpark: Seit Mittwoch ist ja bekannt, dass auf Kybun als Stadionnamensgeberin ab Sommer 2026 die Berit-Klinik AG folgt. Es darf also wieder munter gekalauert werden. Unser bisheriger Favorit für die Neubenennung des Kybun-Parks: Intensiv-Stadion. Weitere Vorschläge nehmen wir gerne unter redaktion@saiten.ch entgegen.