Am vergangenen Samstag ist die St.Galler SP-Politikerin Hanna Sahlfeld-Singer verstorben. Sie war eine der ersten Nationalrätinnen und unermüdliche Kämpferin für Frauenrechte und Gleichstellung. Während ihrer Amtszeit setzte sie sich für den Mieter:innenschutz ein, für ein moderneres Eherecht, für den Tierschutz, für die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln durch die Krankenkassen oder auch für die Einführung des Zivildienstes. Sahlfeld-Singer war auch die erste Nationalrätin, die während ihrer Amtszeit Mutter wurde.
Sie hat nicht mehr miterlebt, wie sich Mike Egger, St.Galler Nationalrat aus den Reihen der SVP, am Dienstag dieser Woche gegenüber der Zeitung «20 Minuten», ebenfalls als Verfechter von Gleichstellung präsentierte. Denn das von ihm geforderte nationale Kopftuch-Verbot begründete er unter anderem mit der Tatsache, dass das Kleidungsstück nicht den Schweizer Werten von Gleichstellung von Mann und Frau entsprächen.
Einige werden es wohl nicht mitbekommen haben, aber die SVP ist Vorreiterin in Sachen Gleichstellung. Deswegen hat sich die Partei in den vergangenen Jahren so vehement für die Lohngleichstellung eingesetzt, so hartnäckig für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gekämpft, so viel getan für mehr Mutterschutz und längeren Vaterschaftsurlaub (gleichzeitig), für Fairness in Sachen Altersvorsorge, für die Finanzierung von Kita-Plätzen sowie für die Unterstützung von Gleichstellungsbüros, Inklusion, Genderpolitik und -sprache.
Weil Mike Egger die Gleichstellung so am Herzen liegt, sitzt er ja auch im Verwaltungsrat von «Schweizerzeit», einem Magazin, dass für den «Marsch fürs Läbe» und damit gegen das Recht auf Abtreibung wirbt. Und Frauen vorzuschreiben, wie sie sich kleiden sollen oder wo sie sich mit welcher Kleidung aufhalten dürfen, ist folglich völlig modern und logischerweise im Interesse der Frauen und der Gleichstellung.
Liebe SVP, lieber Mike Egger: Hanna Sahlfeld-Singer hat sich für Gleichstellung eingesetzt, ihr hingegen, benutzt diese als Mittel zum Zweck, als Ausrede, wenn es gerade zur Agenda passt – die Frauen und alle, die sich nicht als Hetero-cis-Männer definieren, sind euch offensichtlich eher egal.