Saiten Wochenschau

Die Gotthardtunnel verbinden die Schweiz mit Europa, den Norden mit dem Süden, die Nordsee mit dem Mittelmeer. Bevor 1882 der erste Eisenbahntunnel eröffnet wurde, musste der gesamte Güter- und Personenverkehr über den Pass tuckern, hinauf auf etwa 2000 Meter über dem Meeresspiegel und wieder hinab. Genau zehn Jahre dauerte der Bau des Eisenbahntunnels. Zehn Jahre für rund 15 Kilometer. 

Etwas mehr als zehn Jahre hat auch der Bau des berühmten Opernhauses in Sydney gedauert. Und in England wurde kürzlich das Colne Valley Viaduct eingeweiht: nach zehn Jahren Bauzeit und etwa zehn Meter über der Erde. Man kann also so einiges in zehn Jahren schaffen. Zehn Jahre sind eine lange Zeit. Es gibt aber auch Dinge, die nicht einmal zehn Minuten dauern sollten: die Wartezeit auf einen Kafi am Morgen oder die Antwort auf die Frage: Kannst du mir kurz die Butter reichen?

Ganze zehn Jahre liess sich auch der St.Galler Stadtrat Zeit, um in einem Postulatsbericht darzulegen, was alles (nicht) getan werden soll, um bei Sanierungen von Liegenschaften den Klimawandel und das Netto-Null-Ziel bis 2040 mit einzukalkulieren. An der Parlamentssitzung von vergangener Woche wurde das Postulat «Energetische Sanierungsstrategie für städtische Liegenschaften» als erledigt abgeschrieben.

Ob gut Ding eben Weile hat? In diesem Fall wohl kaum: Die phänomenale Strategie, die nun über zehn Jahre hinweg ausgearbeitet wurde, heisst: 7,5 Millionen bis 2028 für energetische Sanierungen. Im Hinblick auf das Ziel von Netto-Null Emissionen städtischer Liegenschaften bis 2040 scheint das allerdings etwas knapp bemessen. Während die Grünen und die GLP die Massnahmen im Parlament scharf kritisierten, scheinen auch Vertreter:innen der SVP irritiert über Dauer und Ergebnis des Berichts. Zurecht, bleiben bis 2040 ja nur noch knappe 15 Jahre – noch ein Postulat also und die Sache ist gelaufen. Der Stadtrat hingegen zeigt sich ratlos, angesichts der zu erwartenden Defizite in den kommenden Jahren liege halt nicht mehr drin. Um wirklich vorwärts zukommen brauche es hier ... na, wie viele Millionen jährlich? Zehn!

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