Telefonverbindungen, Toiletten, der Sitz im ÖV, Strassen und Plätze und Wälder, ganze Länder, die Leonhardskirche in St.Gallen: alles besetzt. Es ist eine richtige Besatzomanie im Gange. Wobei man sich bei der Kirche fragen kann, wer hier eigentlich etwas besetzt hält. Sind es die Aktivist:innen, die vergangenes Wochenende in die Kirche eindrangen und endlich eine öffentliche Nutzung des einstigen Gotteshauses verlangen, wie es vom Besitzer versprochen wurde? Oder ist vielleicht nicht doch eben jener Besitzer der Besetzer, der Winterthurer Architekt Giovanni Cerfeda, der die Kirche vor 20 Jahren zu einem Spottpreis erstand und offenbar nur bereit ist vorwärts zu machen, wenn die Stadtbehörden, der Denkmalschutz, die Öffentlichkeit und die Tauben im (warm?-)sanierten Gebälk alle seine Umbaupläne in und ums Gebäude bis ins letzte Detail gutheissen? Denn nur so, versichert er, sei sein grandioses Konzept für die Kirche realisierbar.
Ja, die Stadt will dort eine Velorampe bauen und ist dafür auf kleine Teile des St.Leonhard-Grundstücks angewiesen. Doch der Besitzer schaltet auf stur. Wenn man ihm nichts bewilligt, tritt er sicher keinen Quadratzentimeter Boden ab. Soll die Rampe halt etwas steiler werden, geht schon, und falls es dann doch zu steil wird, müssen die Velocipedist:innen halt das kurze Stück stossen. Was die Rollstuhlfahrer:innen an dieser Stelle machen sollen, lässt Freigeist Cerfeda offen.
Er signalisiert im «Tagblatt»-Interview derweil Gesprächsbereitschaft, aber nur in die Richtung von Personen, die etwas in seinen alten Gemäuern veranstalten wollen. Die Stadt ihrerseits wäre zum Rückkauf der Kirche bereit. Doch wenn sie den Architekten für eine erste Verhandlung anrufen will, ist bei ihm garantiert: besetzt.