Saiten Wochenschau

Telefonverbindungen, Toiletten, der Sitz im ÖV, Strassen und Plätze und Wälder, ganze Länder, die Leonhardskirche in St.Gallen: alles besetzt. Es ist eine richtige Besatzomanie im Gange. Wobei man sich bei der Kirche fragen kann, wer hier eigentlich etwas besetzt hält. Sind es die Aktivist:innen, die vergangenes Wochenende in die Kirche eindrangen und endlich eine öffentliche Nutzung des einstigen Gotteshauses verlangen, wie es vom Besitzer versprochen wurde? Oder ist vielleicht nicht doch eben jener Besitzer der Besetzer, der Winterthurer Architekt Giovanni Cerfeda, der die Kirche vor 20 Jahren zu einem Spottpreis erstand und offenbar nur bereit ist vorwärts zu machen, wenn die Stadtbehörden, der Denkmalschutz, die Öffentlichkeit und die Tauben im (warm?-)sanierten Gebälk alle seine Umbaupläne in und ums Gebäude bis ins letzte Detail gutheissen? Denn nur so, versichert er, sei sein grandioses Konzept für die Kirche realisierbar.

Ja, die Stadt will dort eine Velorampe bauen und ist dafür auf kleine Teile des St.Leonhard-Grundstücks angewiesen. Doch der Besitzer schaltet auf stur. Wenn man ihm nichts bewilligt, tritt er sicher keinen Quadratzentimeter Boden ab. Soll die Rampe halt etwas steiler werden, geht schon, und falls es dann doch zu steil wird, müssen die Velocipedist:innen halt das kurze Stück stossen. Was die Rollstuhlfahrer:innen an dieser Stelle machen sollen, lässt Freigeist Cerfeda offen.

Er signalisiert im «Tagblatt»-Interview derweil Gesprächsbereitschaft, aber nur in die Richtung von Personen, die etwas in seinen alten Gemäuern veranstalten wollen. Die Stadt ihrerseits wäre zum Rückkauf der Kirche bereit. Doch wenn sie den Architekten für eine erste Verhandlung anrufen will, ist bei ihm garantiert: besetzt.

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SAITEN EMPFIEHLT

Fr. 5.9. und Sa. 6.9. 19:00—02:00
15 Jahre Sixteentimes Music 

Sixteentimes Music feiert sein 15-jähriges Bestehen mit einem zweitägigen Festival im Gaswerk Winterthur. Der Name: Jubilee. Der Anspruch: nicht weniger als eine Momentaufnahme der spannendsten, jüngsten und eigenständigsten Musik, die in der Schweiz gerade entsteht. Seit 2010 ist das Basler Indie-Label Sixteentimes Anlaufstelle für Musiker:innen, die nicht in gängige Schubladen passen. Für Sounds, die sich irgendwo zwischen Rock, Post Rock, Blues, Alternative und Experiment bewegen – aber nie belanglos werden. Hier wird nicht nach Kommerz oder Reichweite selektiert. Sondern nach Haltung, Eigenständigkeit und dem Willen, etwas wirklich Eigenes zu machen. Zudem soll die Schweizer Musikszene sichtbarer werden. Mit dabei sind etwa: Oakhead, Mama Jefferson, Samavayo oder die St.Gallerinnen Velvet Two Stripes..

Fr. 5.9. bis So 7.9. 
SUICMC und SBPC 2025 

Gar nicht so einfach, einen Anlass wie die «Schweizer Velokurier:innen- und Bike-Polo-Meister:innenschaften 2025» elegant, umfassend und obendrein noch gendergerecht zu betiteln. Die Abkürzungen helfen auch nur bedingt: SUICMC bedeutet «Suisse Cycling Messenger Championships», SBPC heisst «Suisse Bikepolo Championships». Kurzum: Da wird einiges los sein in der Gallenstadt dieses Wochenende. Auftakt-Happening ist heute ab 15 Uhr bei Hermann Bier. Abgesehen von den offiziellen Hauptwettbewerben gibts ein Alleycat (eine Art Veloschnitzeljagd auf Zeit), Bars, Essensstände, eine Velosammlung für Afrika und Partys und Konzerte im Schwarzen Engel und in der Grabenhalle. Das Hauptrennen findet am Sonntag von 10 bis 15 Uhr statt. Und wer am Sonntag noch nicht genug hat, darf am Montag früh zum Frühstück in die Kreuzbleiche und dann mit dem ganzen Tross nach Salzburg an die Europameisterschaften radeln – falls man mithalten kann …

So. 7.9. 17:30 Uhr
2. Laurenzen Orgelfestival

St.Laurenzen, die reformierte Stadtkirche in St.Gallen, wurde schon 1413 gebaut. Das über 600 Jahre alte Mauerwerk wurde mehrmals renoviert. Zuletzt erhielt die Kirche eine klangtechnische Aufwertung. Mit einem Gesamtgewicht von 22,5 Tonnen, 5507 Pfeifen, 30 Klangscheiben, 13 Röhrenglocken und einem chinesischen Gong zog letztes Jahr die «3D-Orgel» ein. Zur Einweihung wurde das erste Laurenzen Orgelfestival organisiert. Nun findet Mitte September dessen zweite Ausführung statt. Während zwei Wochen soll die «Surround-Orgel» ihre Vielfalt zeigen. Neben klassischen Konzerten mit der Orgel als zentrales Instrument spielt diese auch eine Rolle in weiteren Konzerten am Festival. Darunter sind diverse Genres zu finden: Volksmusik, Tanzmusik aus den 1920er-Jahren, Beatboxing oder Musik aus dem Venedig der Renaissance. Begleitet werden die Orgel-Spieler:innen Bernhard Ruchti, Maja Bösch oder Sebastian Bausch von diversen Musiker:innen.

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Die Wochenschau von Saiten erscheint immer freitags. Sie bietet einen Überblick der aktuellsten Texte auf saiten.ch und enthält drei Tipps fürs freudige Wochenende.

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