Saiten Wochenschau

Montagabend, 19 Uhr australische Ostküstenzeit, Robina Rugby- und Fussballstadion, ein paar Meilen südlich von Brisbane. Die iranische Fussballnationalmannschaft tritt zu ihrem ersten Spiel in der Asienmeisterschaft der Frauen gegen Südkorea an. Beim Abspielen der Nationalhymne singen die Iranerinnen nicht mit, dann und wann huscht ein Lächeln über ihre Gesichter. Dass sie weder im Eröffnungsspiel noch im zweiten Match gegen die Gastgeberinnen aus Australien auch nur den Hauch einer Chance haben auf dem Platz, tut nichts zur Sache angesichts der Welthistorie, die sich am anderen Ende der Welt gerade abspielt.

In ihrer Heimat gehen bei Spielanpfiff seit zwei Tagen und Nächten amerikanische und israelische Bomben auf Einrichtungen des Ayatollah-Regimes nieder. Die Ballistik verirrt sich aber auch – wie in jedem Krieg – in zivile Einrichtungen. Eine Mädchenschule in Minab im Süden des Landes liegt in Schutt und Asche. Über 160 Mädchen sollen laut UN-Berichten dabei umgekommen sein. Offiziell hat noch niemand die Verantwortung für dieses «Missgeschick» respektive Kriegsverbrechen übernommen, das während der ersten Welle der amerikanischen und israelischen Luftangriffe «passierte».

Die beiden Episoden zeigen, wie schnell die Hoffnung auf Besserung im Iran auch wieder zerschlagen werden kann. Nachdem die Sittenpolizei im September 2022 die kurdisch-iranische angehende Mikrobiologiestudentin Mahsa Amini wegen «unangepasster Kleidung» verhaftet und getötet hat (oder sie zumindest hat sterben lassen), löste dies landesweit und international eine Protestwelle aus. Im Iran hielten die Proteste bis diesen Winter an, das Regime schoss gnadenlos drein. Viele tausend Menschen liessen ihr Leben für mehr Gerechtigkeit, für mehr Freiheit. In stiller Symbolik tragen die iranischen Kickerinnen diesen Protest auch nach Australien.

Ob es tatsächlich zum von ihnen erhofften Regime-Change kommt, ist mittlerweile mehr als fraglich. Trump fährt wohl mit noch mehr politischer, gesellschaftlicher und kultureller Ignoranz in den Iran ein als Bush junior 2003 in den Irak. Die Folgen für die Frauen im Iran und für die Weltpolitik im Allgemeinen bleiben unabsehbar.

Umso mehr gilt es jetzt, hier in der Schweiz unseren demokratiepolitischen Errungenschaften Sorge zu tragen. Am 8. März ist nicht bloss Superabstimmungssonntag zur SRG-Halbierungsinitiative oder zur Individualbesteuerung, sondern auch Internationaler Frauentag. Heraus in die Frühlingssonne zum verbindenden Gedankenaustausch! Zum Beispiel zum «Zähne zeigen» an der queerfeministischen Demo in St.Gallen, die am Sonntagnachmittag ab 16 Uhr vom Kornhaus- zum «Ni una menos»-Platz (Grabenhalle-Parkplatz) führt. Oder einfach gemütlich auf der Lieblingsparkbank mit guten Freund:innen.

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