Während Kühe zur Viehschau durch die Quartiere spazieren und zeigen, was sie haben, zeigt auch die St.Galler Kantonsregierung, was sie hat – oder wohl bald nicht mehr haben wird.
Das erste Sparpaket (EP26) beinhaltete bereits drastische Kürzungen, besonders in den Bereichen Soziales, Bildung und Kultur. Nun präsentiert die Regierung das nächste. Zwar sind die Kantonskassen voll, die Rechnungsabschlüsse äusserst positiv. Doch das Kantonsparlament hatte im letzten Dezember schwarzgesehen, beziehungsweise rot, und ein zusätzliches Sparpaket verlangt. Rund 60 weitere Millionen sollten eingespart werden.
Gemäss der Regierung sei das von ihr nun vorgelegte Sparpaket, EP26plus, allerdings nicht notwendig. Neben Streichungen beim ÖV – braucht ja niemand, wir haben ja die Kühe –, beim Staatspersonal, im Gesundheitswesen oder beim Umweltschutz würde dieses natürlich auch Kürzungen bei der Kultur vorsehen. Logisch, wehrt sich die bürgerliche Mehrheit doch immer wieder gerne gegen Kultur, die ihr nicht passt.
Über 2 Millionen Franken sollen in der Kultur gestrichen werden, Leistungsvereinbarungen gekürzt und Kleinförderungen unter 10’000 Franken vom Kanton nicht mehr zugelassen werden (mehr dazu bald auf Saiten.ch). Für die Kultur und damit die gesamte Region, ihre Vielfalt und Ausstrahlung ist das ein massiver Einschnitt. Aber eben: Wer braucht schon Kunst und Kultur, wenn man eine Viehschau und die Olma hat?
Wobei selbst in Sachen Fleisch und Dorfkultur kürzlich Sparpotenzial vermutet wurde. Das in der Shopping-Arena eröffnete Restaurant «La Spiga» sorgte mit seiner «Pizza Olma» – Bratwurst auf Tomatenbelag – für Aufregung in der Stadt. Wir haben nichts gegen Bratwurst auf der Pizza – solange sie durch ist und die Tiere vorher mindestens einmal durch St.Gallen spazieren durften. Allerdings schlagen wir andere Dinge vor, bei denen man künftig sparen könnte: Sultaninen, egal ob im Müesli oder im Gebäck, Autobahnanschlüsse, Parkplätze, Sparpakete im Allgemeinen oder Kulturverächter:innen im Kantonsparlament.