Pick! Was nach Zwangsimpfung klingt, ist in Tat und Wahrheit die offizielle Einladung zum gemütlichen Einkaufsbummel durch die St.Galler Innenstadt. Mit Gassenbespassung, Sonderangeboten, Give-aways und – wems gefällt – sogar reformierter Taufe-to-go («Heute schon ge(k)tauft!?»). Auf katholischer Seite wird auf die Wiedereinführung des Ablasshandels vorerst verzichtet, um nicht von den gleichzeitig beginnenden Wiboradafeierlichkeiten abzulenken.
Ansonsten machen einfach alle mit bei den «Pick! Shopping Days». Selbst die SP freut sich an und für sich über den Versuch von Stadt, Wirtschaft und Tourismus, die Altstadt zu beleben. Aber warum ausgerechnet am 1. Mai, an dem Tag, an dem die Arbeiter:innenbewegung traditionell den politischen Kampf um ihre Rechte feiert und den Kapitalismus kritisiert?
In einem Vorstoss fordern die beiden SP-Parlamentarier:innen Alice Froidevaux und Christoph Kobel die Stadtregierung nun dazu auf, zu prüfen, ob die dritte Austragung der Shopping Days 2027 nicht auf ein anderes Datum verschoben werden könnte. Zudem solle die Verwaltung ein Vorbild sein und ihre Tätigkeiten am 1. Mai nicht wie bislang erst mittags, sondern künftig gänzlich einstellen. Quasi schleichende Einführung des Feiertags hinter dem Rücken des Kantons.
Bereits mit gutem Beispiel voran geht die Arbeiter:innenbewegung in Rapperswil. Dort beginnen die 1.-Mai-Feierlichkeiten mit der Eröffnung der Festwirtschaft nicht erst nach Feierabend, sondern sind – im Gegensatz zu St.Gallen, Wil oder Sargans – bereits seit 11:30 Uhr in vollem Gange. Day drinking statt Shopping Days! Eine charmante Alternative – sofern man sie sich leisten kann.