Im Strassenverkehr ist es wie in der Medizin: Pendelt sich der Blutdruck in ungesunder Höhe ein, werden Blutdrucksenker verschrieben. Und nicht etwa zusätzliche Blutkanäle eingebaut. Auf die Verkehrsplanung übertragen hiesse das: Lenkungsmassnahmen und Verlagerung statt Strassenbau. Im täglichen Verkehr denkt aber kaum jemand ans Gesamtsystem: Es müssen nicht möglichst viele mobil und schnell sein, sondern in erster Linie ich selber. Denn nerven tu ich mich über den Stau ja auch selber, weil ich in der Regel allein im Fünfplätzer rumgurke. Wenn das einzelne Blechblutkörperchen durchwill, muss ihm die Freiheit dazu geboten werden. So zumindest der Grundsatz der Verkehrspolitik, wie sie vor über 60 Jahren erfunden wurde.
Die Forschung bietet nachhaltigere und günstigere Lösungen. Beispiel Pförtneranlage Liebegg: Täglich rollen rund 12'000 Autos von und nach Ausserrhoden durchs St.Galler Riethüsli-Quartier. Die Leonhardsbrücke passieren täglich etwa 23'000 Autos. Mit einer Schliessung der Teufenerstrasse an der Kantonsgrenze wäre das innerstädtische «Verkehrsproblem» gelöst. Diesen Infarkt will aber niemand. Eine Pförtneranlage verflüssigt den Verkehr und entlastet das bepförtnerte Quartier nachweislich, wie etwa das Paradebeispiel in Rapperswil-Jona zeigt. TCS-Sektionschef Thomas Pfister schimpfte diese Woche im «Tagblatt» trotzdem über die geplante «Schikane für Autofahrer» und «rot-grüne Pflästerlipolitik», weil sie das Verkehrsproblem nicht löse, sondern lediglich verlagere. Ja was jetzt? Zusatz-Schikane oder doch nur Verlagerung? Wegen der Pförtneranlage stehen die Ausserrhoder:innen keine Minute länger im Stau, sie tun dies lediglich ausserhalb der Wohnzone.
Oder wie wärs mit Anreizen? Man könnte an den Stadteingängen punktuell eine Strassennutzungsabgabe erheben. Es wäre die urschweizerischste aller Lösungen, denn schon die alte Eidgenossenschaft einte in erster Linie die gemeinsame Erhebung von Strassenzöllen zu den Alpenpässen. Gegen die habsburgischen Vögte kämpften sie nicht, weil diese besonders grausam gewesen wären, sondern weil sie auch an der geografischen Glückslage mitverdienen wollten. Mobility Pricing ist es, was die alte Schweiz im Kern zusammenhielt. Höchste Zeit, dass wir uns an diese alte Tradition erinnern.
P.S.: Hier gehts zur Gegenpetition, die der Pförtnergegner:innenpetition eine Petition entgegnet. Die Sieger:innen stehen allerdings bereits fest, die Pförtnergegner:innenpetition ist geschlossen. Es geht nur noch um Resultatkosmetik. Stand Freitagmittag: Riethüsli gewinnt gegen Teufen mit mindestens 764:548)