Man hats selten leicht mit den Reichen. In Lochau am Bodensee müssen hitzegeplagte Wandernde, die auf den Pfänder wollen, seit Kurzem auch noch einen Umweg in Kauf nehmen, weil ein Deutscher Milliardär den beliebten Pfad zumauern liess. Der Aufschrei bei Volk und Behörden ist gross, denn das Wegerecht auf dem Luxusgrundstück besteht angeblich seit Jahrhunderten. Vernünftiger als um das gesamte Anwesen herumzutschalpen wäre allerdings der Abstecher zum See.
Wobei auch Aqua-Fit zunehmend Risiken birgt, wie jüngst eine 49-jährige Schweizerin im Alten Rhein erfahren musste. Bei Lustenau wurde die Frau von einem Wels mehrfach ins Bein gebissen. Dass der Waller angreift, ist ungewöhnlich und könnte an der Laichsaison und den hohen Temperaturen liegen. Schon vor einigen Wochen wurde aus Baden-Württemberg vermeldet, dass vermehrt riesige Artgenossen gesichtet wurden und der ohnehin bereits grösste Süsswasserfisch Europas in wärmerem Wasser generell noch grösser und älter werden. Mit entsprechendem Appetit. Tolle Aussichten. Aus der Schweiz sind bislang noch keine Wassermonsterattacken gemeldet worden – gottlob.
Lob gebührt für einmal auch dem Ostschweizer Asylwesen, wenn auch nur auf den ersten Blick:
Eine Recherche hat ergeben, dass Asylsuchende nirgends in der Schweiz «gerechter» auf die Gemeinden verteilt werden als im Thurgau, direkt gefolgt von St.Gallen auf Platz zwei. Im Thurgau und in St.Gallen setzt man nicht auf Top-down-Zuteilungen und zentrale Unterkünfte, sondern auf die freiwillige Mitwirkung der Gemeinden mit entsprechenden Anreizen, sich frühzeitig um «ihren» Anteil zu bemühen, da ansonsten Zwangszuteilungen und damit verbunden tendenziell höhere Sozialkosten drohen.
Zwar erhöhe gemäss Studie die «faire» Zuteilung die Akzeptanz in den Gemeinden, aber: Wie gerecht ist eine solche Verteilung wirklich? Hat jemand mal die betroffenen Menschen gefragt? Wollen wirklich alle in die Landschaft hinausgestreut werden? Wie sieht es dort mit Jobs und Pendelmöglichkeiten aus? Und wie genau lauten die zitierten «wenigen Merkmale», anhand derer die St.Galler Gemeinden «ihre» Asylsuchenden auswählen dürfen?
Ausserdem: Warum werden nicht auch Welse gerecht auf den Bodenseeraum verteilt? Direkte Begegnungen erhöhen schliesslich die Akzeptanz. Bisse und andere Friktionen sind – da wie dort – noch immer die grosse Ausnahme. Denn was uns wirklich beunruhigen sollte, sind weder Fische noch Asylsuchende, sondern egoistische Wanderwegzusperrer und das unerträglich schöne Wetter.