Etliche Bücher und Filme erzählen vom «Sommer des Lebens», von aufregenden Abenteuern, neuen Bekanntschaften und der wilden Sommerliebe. Besonders bei jungen Menschen sind die Erwartungen an den Sommer und die Ferien hoch.
Mit den Jahren werden diese Erwartungen kleiner. Ferien mit Kind oder Kegel sind sicher nervenaufreibend, aber auf eine ganz andere Art als in den eben erwähnten Geschichten. Die effektive Auszeit wird massiv kürzer und verlagert sich vermehrt in Grenzregionen statt in ferne Destinationen. Und längst sitzt die einst so wilde Liebe zuhause auf dem Sofa und rülpst romantisch ins Frühstücksmüesli.
Zumal das Weltgeschehen keine Sommerferien macht – oder zu wenige Despoten diese in der Nähe von gefährlichen Klippen oder Krokodilsümpfen verbringen: Weiterhin werden Angriffe auf den Iran oder die Ukraine befohlen, Palästinenser:innen von Siedler:innen bedroht, Proteste gewaltsam niedergeschlagen und verheerende Waldbrände vermeldet. In der Schweiz stehen fast täglich Männer wegen sexualisierter Gewalt in den Schlagzeilen und Rassismus-Debatten erschüttern die Ostschweiz, während weiterhin Seen austrocknen und Tiere verenden.
Nichts mit Sommerloch. Es sei denn, man begreift das Loch weniger als eine durch Ferien erzwungene Pause, sondern vielmehr als das unentwegte Existieren des Negativen, eine Art schwarzes Loch, unabhängig von der Jahreszeit. Und gerade deswegen sollten wir uns die schönen Geschichten von grossen Sommern zu Gemüte führen.
Und geniessen, was da ist: die Seen, die noch Wasser haben, die Berge, die kühle Luft versprechen, die ewig warmen Sommernächte, die zu guten Gesprächen und kühlen Getränken unter Freund:innen locken, und die (Sommer-)Liebe, mit der sich jeder noch so kurze Ausflug ins Elsass, jeder Spaziergang am Stadtrand und jede Berührung wie ein Abenteuer anfühlen.