Eins vorweg: Keine einzige Silbe dieses Texts wurde mit KI generiert. Das hat nicht mit einer grundsätzlichen Technologieskepsis zu tun. Es ist aber Fakt, dass immer mehr grosse Medienunternehmen immer mehr Prozesse an eine künstliche Intelligenz auslagern. Am leichtesten sparen lässt es sich in der Branche halt immer noch beim Personal. Aber nicht nur die Journalist:innen bleiben dabei auf der Strecke, sondern auch die Glaubwürdigkeit eines ganzen Berufsstands. Auch darum sind, wie die «WOZ» in ihrer aktuellen Ausgabe herausgefunden hat, die Medienhäuser ziemlich intransparent unterwegs, was die Deklaration angeht. Denn wer will schon für maschinell produzierten Journalismus ein teures Abo bezahlen?
«Wir zeichnen KI auch dann nicht aus, wenn sie zu 95 Prozent den Text geschrieben hätte», erklärte jüngst die Tamedia-KI-Chefin Nadia Kohler an einem Infoanlass ihren einigermassen verdutzten Mitarbeiter:innen. Hauptsache, die Autor:innen begutachteten das Resultat. Als Kern journalistischen Handwerks versteht sie: Recherche, Gespräche, Schwerpunkte setzen. Das Schreiben als kreativer Denk- und Verdichtungsprozess zählt bei Tamedia offenbar nicht mehr dazu. Hingegen wird «Prompten», also das Füttern der KI mit Informationen und stilistischen und dramaturgischen Anweisungen an den Text (z.B. «schreib mir eine Reportage im Stil Niklaus Meienbergs»), zur kreativen Leistung erhoben.
Jüngst war auf der Gratisplattform «watson.ch» ziemlich lange ein Bericht über den aktuellen chilenischen Präsidenten José Kast und seine trumpistischen Mauerbaupläne publiziert. Zu sehen waren die einzelnen Absätze in mehrfacher Ausführung, teils fett ausgezeichnet, stellenweise durchgestrichen. Zu früh aufs Veröffentlichen-Knöpfli gedrückt, kann mal passieren. Weit gravierender war aber der Hinweis im Text, dass der eben erst gewählte Kast im Dezember 2025 gegen den «politisch linken Kandidaten Augusto Pinochet» gewonnen habe. Das ist – gelinde gesagt – ziemlich unwahrscheinlich: Der rechtsradikale Pinochet war von 1973 bis 1990 chilenischer Militärdiktator, der seine Gegner:innen zu Tausenden «verschwinden» liess. Zudem starb der Massenmörder 2006.
Dass KI ziemlich oft halluziniert, weil sie weder «wissen» noch «recherchieren» kann, sondern Texte lediglich aus Vorhandendem und Wahrscheinlichkeiten zusammenrechnet, dürfte man auch bei «watson.ch» wissen. Immerhin wurde der Fauxpas ein, zwei Tage später, nachdem notabene bereits einige kritische Kommentare aufgeschaltet worden waren, behoben. Dass da nebst einer über alle Massen schludrig arbeitenden Redaktorin auch eine fantasierende KI am Werk war, ist bis heute nirgends deklariert.