In Weinfelden sollte auf dem Friedhof ein muslimisches Grabfeld entstehen. Doch das Stimmvolk lehnte ab. Daraufhin haben im selben Ort muslimische Mitbürger:innen eine Partei gegründet. Sie sollte «Islamische Volkspartei Schweiz» heissen. Allerdings waren die Reaktionen darauf wohl so kritisch, dass die Initiant:innen die Partei umbenannt haben. Nun heisst sie (ganz unverfänglich) «Gemeinsame Starke Schweiz» (GSS).
Parteipräsident Besim Fejzulahi und seine Kolleg:innen möchten sich nicht nur für muslimische Gräber einsetzen, sondern beispielsweise auch dafür, dass Musliminnen, unabhängig von ihrem Beruf, Kopftücher tragen dürfen. Dinge, die die ach so offene Schweiz gerne kontrovers diskutiert oder so auslegt, dass sie ins eigene, teils eben doch nicht so offene Weltbild passen.
Eigentlich geht es, wie so oft, um etwas anderes: Um die Angst vor der Andersartigkeit, vor «Eindringlingen», die Alpseen, Weiden und Wohlstand unterwandern könnten. Natürlich lässt sich über solche Themen streiten, das ist für die Demokratie sogar unabdingbar. Genauso lässt sich aber auch darüber streiten, ob eine Partei, welche die Bedürfnisse von Muslim:innen ins Zentrum stellt, kritischer zu betrachten ist als jene Parteien, die solidarische Grundprinzipien und den Staat aushebeln wollen oder sich homophobe und rassistische Grundsätze ins Parteiprogramm schreiben.
Vielleicht bräuchten andere kontrovers diskutierte Themen ebenfalls Parteien. Die Wolfspartei zum Beispiel, für ein friedliches Zusammenleben mit Raubtieren, oder die Partei «chrömle statt shoppe», die Anglizismen verbieten möchte. Oder einer Partei, die sich gegen Worte wie «Fleischersatz» wehrt und sich für einen gesetzlichen Anspruch auf eine Fleischbeilage zu allen veganen Gerichten stark macht – «Mehr Wurst, weniger Wurzeln»?