Saiten Wochenschau
«Ein Ritter stürzt vom hohen Ross», titelte die WOZ diese Woche. Da hat sich wohl einer etwas verkalkuliert, dem das sonst nie passiert. Aber die Wahl in eine Kollegialbehörde ist halt doch etwas anderes als berufsständischer Protektionismus und das Beackern dieser politischen Monokultur, mit dem der Bauer und Bio-Altstätter bislang so erfolgreich war.
An der Medienkonferenz nach den Bundesratswahlen hat Ritter – offenbar ohne Absprache mit der verdutzten Mitte-Parteisekretärin – angekündigt, zwar vorerst bei seiner Scholle bleiben und weiter als Nationalrat und Bauernpräsident amten zu wollen, aber nur noch bis 2028. Potenzielle Nachfolger:innen für diese Posten, die sich bereits Hoffnung gemacht hatten, müssen nach Adam Riese also noch über 1000 Mal schlafen, bis sie zum Zug kommen, weil am Mittwoch ein Zuger besser abgeschnitten hat als der Rheintaler. Mit Ritters Nichtwahl steigen nun die Chancen für SVP-Nationalrätin und Papierlitoggenburgerin Esther Friedli auf einen Bundesratssitz, wie das «St.Galler Tagblatt» und andere CH-Mediatitel heute etwas übermütig vorrechnen. Make St.Gallen Great Again!
Aber auch für Markus Ritter ist es noch nicht aus. Er könnte im Sinn einer ideologischen Flurbereinigung endlich zur SVP übertreten und hätte so eher nochmals die Gelegenheit, sich erfolgreich für einen Job in der Landesregierung zu bewerben. 2028 ist Ritter 61 und damit im besten Bundesratsalter. Dass er damit die Wahl einer jüngeren SVP-Frau verhindern könnte, dürfte der rollentraditionsverbundenen Sünnelipartei zupass kommen. Auch wenn es sich bei Friedli um die erste «echte» – heisst: Blocher hörige – SVP-Bundesrätin handeln würde. Für Markus Ritter gilt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.
Nicht aufgeschoben wird in der Stadt St.Gallen hingegen die Aufhebung von 114 oberirdischen Parkplätzen an zentraler Lage. Sie erfolgt zeitgleich mit der Eröffnung des neuen Parkhauses «Central» per 20. März. Wer sich jetzt über das Verschwinden weiterer Parkplätze aufregt, möge kurz den Taschenrechner (oder das «Tagblatt») zücken. Die Rechnung geht selbst für motorische Blechlawinist:innen mit Dyskalkulie auf: Das neue Parkhaus bietet über 330 öffentliche Abstellplätze. Dass die Tiefgarage während OLMA und OFFA auch für Traktoren geöffnet werden soll, ist bislang nur ein Gerücht. Es wäre aber ein ritterlicher Zug der Stadt gegenüber der Landbevölkerung, die im Mai über einen gerechteren Ausgleich der Zentrumslasten abstimmt.

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