Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an María Corina Machado. Venezuelas Oppositionsführerin wird für ihren Einsatz für die demokratischen Rechte ihres Volkes geehrt. Dabei hatte sich einer schon lange in Position gebracht und zum Favoriten ernannt: Donald Trump. «Mein stolzestes Vermächtnis wird das eines Friedensstifters und Einigers sein», sagte er Anfang Jahr, zu Beginn seiner zweiten Amtszeit. Vor zwei Wochen behauptete er vor der UNO-Generalversammlung, seither «sieben endlose Kriege» beendet zu haben. Jener zwischen Israel und den Hamas wäre nun also sein achter.
Man muss zwar den (vorläufigen) Waffenstillstand, der seit 11 Uhr gilt, als diplomatischen Erfolg Trumps anerkennen, auch wenn er viel zu spät kommt. Viele Probleme aber bleiben. Dass Trumps Beitrag zur Beendigung der anderen sieben Konflikte, sofern es sie überhaupt gab, teilweise marginal war und in den meisten Fällen – auch zwischen Israel und den Hamas – zentrale Punkte für einen nachhaltigen Frieden ungelöst bleiben, ist ihm am Ende völlig egal. Trump geht es nicht um Frieden, es geht ihm am Ende um sich selbst. Und wie schnell er seine Bemühungen einstellt, wenn er in einer Sache nicht weiterkommt, haben seine vergeblichen Vermittlungsversuche zwischen Russland und der Ukraine bewiesen.
Es ist absolut richtig, Trump den Preis nicht zu verleihen, völlig unabhängig davon, dass der Beschluss des Komitees schon seit Montag feststand. Es wäre nicht nur schäbig, sondern auch schändlich, wenn jemand, der die Demokratie mit Füssen tritt, unabhängige Journalist:innen bedroht und die Pressefreiheit einschränkt, gegen Minderheiten hetzt, Entwicklungshilfen kürzt, internationale Organisationen schwächt, die Aufrüstungspolitik befeuert und gegen Demonstrant:innen die Nationalgarde einsetzt und so weiter einen solchen Preis bekommen würde.
Dass in Norwegen bereits über allfällige politische oder wirtschaftliche Konsequenzen für das Land diskutiert wurde, sollte Trump leer ausgehen, zeigt allein schon, wie verquer die Idee ist, ihm den Preis zu verleihen. Der orange Möchtegern-Sonnenkönig, der die USA in Richtung einer Autokratie führt und es als «Beleidigung» seines Landes ansieht, sollte er übergangen werden, muss für das Nobelkomitee weiterhin ein rotes Tuch bleiben – ganz unabhängig von der weiteren Entwicklung in Nahost. Ansonsten würde sich ein altes Bonmot bewahrheiten: Nobel geht die Welt zugrunde.