Saiten Wochenschau

«NO KINGS». Der Schriftzug, angelehnt an den Protestslogan 2025 der Unzufriedenen in den Staaten, leuchtete am Dienstagabend mächtig vom Grüniberg herunter, sodass ihn ganz Davos sehr gut sehen konnte. Zehn anonym bleiben Wollende hatten dazu 450 Fackeln das steile Schneegelände hochgebuckelt, um von oben herab zu zeigen, was sich unten scheinbar niemand zu sagen traute. Im Dorf musste man vorsichtig gehen oder sogar anhalten, um den erleuchteten Berg anzuschauen, man wäre sonst auf den Eisblasen ausgerutscht, die sich bei der grossen Speichelleckerei auf dem Asphalt gebildet hatten.

Nein, wir mögen keine Könige. Mochten wir noch nie. Steht so in jedem Geschichtsbuch – und ein bisschen auch in der Verfassung. Abgesehen von Schwing- oder Abfahrtskönigen natürlich, oder Dorfmunis oder patriotischen Patrons und polternden Parteimagnaten. Aber jene Könige, die sich die Krone in unsportlicher Manier oder zu gut sichtbar aufsetzen, die mögen wir also ganz und gar nicht. Sie müssen schon mindestens behaupten, kein König sein zu wollen.

Von den Königinnen ganz zu schweigen, die wir höchstens mögen, wenn sie dekorativ rumstehen und ansonsten nicht gross stören. Nicht auszudenken, wenn die Kleinkönigin dem Grosskönig am Telefon auf die Nerven ginge, es könnte der Allgemeinheit, also der Wirtschaft schaden …

Bei der ganzen Königskritik vergessen wir gerne, dass sie bei genauerer Betrachtung geheuchelt ist. Natürlich würden wir die medial zitierte Ansage der Protestierenden von Davos gerne vorbehaltlos unterschreiben: «Dank unseren Vorfahren haben wir Könige überwunden. Heute, da Autokratie und Imperialismus wieder aufkommen, wollen wir vor den Augen der Mächtigen ein Zeichen setzen für die Demokratie und für das Völkerrecht.» Ein genauerer Blick in die Geschichtsbücher zeigt, dass wir allerhöchstens jene Könige überwunden haben, die wir nicht nach unserem Gusto selber gewählt haben. Aber jede Epoche hat ihre Vögte, das ist leider eine historische Konstante. Warum also anonym bleiben, wenn man doch extra Fackeln auf den Berg hochträgt? Und der grosse, schweigende Rest geht zum Applaudieren in den Keller. Öffentlich gehuldigt wird nach wie vor den Königen.

Apropos Keller: Der St.Galler Autor Christoph Keller hat zum gleichen Thema einen offenen Brief verfasst. Hier entlang, bitte. Ein zweiter folgt dann am Sonntag. Stay tuned, bleibt stabil, bleibt freundlich und werft endlich eure Knieschoner weg, auch die unsichtbaren!

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