Saiten Wochenschau

Die Schweiz zeigt sich unterwürfig und will den USA im Zollstreit entgegenkommen. Unter anderem sei laut «NZZ am Sonntag» angedacht, den Import eines gewissen Kontingents an sogenannten «Chlorhühnern» zuzulassen. «Chlorhühner» stehen symbolisch für unhygienische, unethische fleischindustrielle Massenproduktion. Unser Nasenrümpfen ist also erstmal nachvollziehbar. Das nachträgliche Dekontaminieren von Schlachtfleisch ist in der Schweiz wie in vielen anderen Ländern Europas verpönt. Hier gilt: Die Hygiene muss von der Zucht über die Mast bis zur Schlachtung und dem Vertrieb zu jeder Zeit eingehalten werden.

Ein hehrer Grundsatz, der aber unter heutiger Gesetzgebung in der Schweiz kaum einzuhalten ist. Gemäss neuen Zahlen des Bundes sind 65 Prozent des Schweizer Pouletfleisches mit multiresistenten sogenannten ESBL-Bakterien belastet. Zur Kontamination kommt es in der Regel in den Schlachthöfen. Da kann Bauernpräsident und Beinahebundesrat Markus Ritter noch lange behaupten, in der Schweiz bestünde keine Nachfrage nach Chlorhühnern. Das gegenüber den US-Chicken eventuell etwas weniger unethisch produzierte Schweizerpoulet wird deswegen nicht sauberer.

Die Wissenschaft sagt: Chlorbäder könnten stark zur Verbesserung der Poulethygiene beitragen. Richtig angewandt beeinflusse das die Fleischqualität kaum. Hauptsache sei, dass in der Produktion keine Antibiotika eingesetzt würden, weil dies zur Stärkung und Ausbreitung multiresistenter Keimstämme beitrage. Der Umstand, dass Chlorbäder auch dazu dienen können, unsaubere Produktion zu vertuschen, ist damit natürlich nicht aus der Welt geschafft.

Die Karnivor:innen im Saiten-Land sind nun in der Zwicke: Will man jetzt lieber vollschweizerische Multiresistenz-Schenkeli vom Güggeli-Max oder dann doch lieber sauberes, dafür potenziell aus grusiger Massentierhaltung stammendes «chlorine chicken» von Uncle Sam? Eine Frage, die man zum Beispiel hervorragend an der anstehenden OLMA bei einer frisch grillierten PFAS-Wurst und einem Schlücklein Schwefel-Weissen diskutieren könnte. En Guetä mitenand!

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SAITEN EMPFIEHLT

Fr. 19.9.25 20:30 Uhr
Indie-Livekonzert: The KVB | Support: Raskolnikov

Entrückter Gesang, flirrende Gitarren, hypnotische Synths, pulsierende Beats, alles unterlegt mit viel Hall und verpackt in eine düstere Atmosphäre: The KVB kreieren einen Sound, in dem man richtiggehend versinken kann. Ihr dystopischer Pop, wie sie ihre Musik selber nennen, lässt sich in der Schnittmenge von Dark Wave, Shoegaze und Post-Punk verorten. Die Songs sind neblig-kühl, ja mitunter distanziert, entwickeln aber gerade daraus eine subtile Anziehungskraft. 2010 als Soloprojekt von Nicholas Wood gestartet, entwickelten The KVB ab dem Einstieg von Kat Day ein Jahr später eine musikalische Ästhetik, die mit jedem Album eine leicht andere Ausdrucksform fand. Das elektronisch-maschinelle Klanggerüst der Anfangstage, dessen reduzierte Ausschmückung die brutalistischen Elemente auf einigen Plattencovern visuell betonen, ist immer noch die Grundzutat dieser faszinierenden Musik, es wurde mit der Zeit aber immer organischer. Auf ihrem vor einem Jahr veröffentlichten achten – oder je nach Zählweise siebten oder neunten – Album Tremors wummert es wieder wunderbar deep, es ist weniger eingängig als der Vorgänger Unity, geht aber umso mehr unter die Haut. Und richtig körperlich wird die Musik von The KVB live, wenn sie einen mit noch mehr Wucht trifft. Insofern ist es ein Glücksfall, dass das britische Duo, das im vergangenen Dezember ein fantastisches Konzert im ausverkauften Bogen F in Zürich spielte, nun für ein Konzert ins Apollo nach Kreuzlingen kommt.

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