Über dem Asphalt flimmert die Luft, die Abende sind lang und lau, die Badis offen, die Bars haben ihre Tische längst nach draussen gestellt. Es ist Sommer. Und es wäre so schön, wäre es nur schön. Man kann ja bekanntlich wählen, wohin man schaut, worauf sich unsereins fokussiert – Achtsamkeit heisst das nervige Zauberwort. Schwierig, wenn ennet dem grossen Teich der Bürgerkrieg droht, Deutschland Israel zum Krieg gegen den Iran gratuliert, im Sudan die Menschen am Hunger sterben – genauso wie die Überlebenden in Gaza – und auch die Ukrainer:innen noch immer leiden.
Angesichts der weltweiten Geschehnisse hat die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell, Andrea Berlinger Schwyter, an deren Generalversammlung internationale Kooperation gefordert. «Kooperation ist kein Verlust von Souveränität, sondern Ausdruck strategischer Klugheit.» Eine Erkenntnis, die man sich auch bei den Gegner:innen des neuen EU-Rahmenabkommens wünschen würde. Ob Präsidentin Andrea Berlinger Schwyter mit dem Aufruf also nicht etwas gar optimistisch ist, wird sich zeigen.
Dafür haben VCS, Umverkehr, Pro Velo, WWF sowie die Grünen und die SP des Kantons St.Gallen und deren Jungparteien gemeinsam das Referendum ergriffen gegen das dreistellige Millionenprojekt für den Bau des Autobahnanschluss Witen und der gut 2 Kilometer langen Kantonsstrasse von Goldach nach Rorschach. In der Sommersession wurde der Kredit von der Autobahnallianz im St.Galler Kantonsrat angenommen.
Und auch auf nationaler Ebene droht ein Referendum, hat der Nationalrat doch am Dienstag die kantonalen Mindestlöhne allgemein verbindlichen Gesamtarbeitsverträgen unterstellt und damit nicht nur alle Arbeitnehmenden vor den Kopf gestossen, sondern auch dem Volk, dass sich in mehreren Kantonen für Mindestlöhne ausgesprochen hat, einmal mehr die Souveränität entzogen.
Also, im kühlen Nass untertauchen und bis spät in die lauen Sommernächte mehrere Schirmli-Drinks schlürfen, dann fällt das mit der Achtsamkeit und dem Optimismus leichter.