Saiten Wochenschau

Vielleicht wünscht sich Bernhard Hauser gerade ein Kopftuch, um seine Sturmfrisur darunter zu verstecken. Die hat der St.Galler SP-Kantonsrat einem Shitstürmli zu verdanken, den er mit seinem Gastbeitrag im «St.Galler Tagblatt» vom Mittwoch ausgelöst hat. Darin ging es um die Frage, ob eine Lehrerin im Unterricht ein Kopftuch tragen darf oder nicht. «Dieses Symbol widerspricht dem Grundverständnis offener Gesellschaften diametral und gehört deshalb auf keinen Fall auf den Kopf einer Lehrerin», lautet Hausers klare Meinung dazu. Denn mit dem Kopftuch trage sie dieses Bekenntnis offensiv in die Klasse, «als heimlichen Lehrplan des konservativen und frauenfeindlichen Islam».

Während die SP noch am selben Tag in einer Mitteilung darauf verwies, dass der Beitrag Hausers «persönliche Haltung widerspiegelt und nicht mit der Debatte rund um das Kopftuch in der Schule gleichgesetzt werden sollte», fuhren die Juso gestern volles Geschütz auf: Hauser müsse sofort alle Ämter in der SP niederlegen und als Kantonsrat zurücktreten.

Tatsache ist, dass der Schulratspräsident von Sargans an einigen Stellen Sinnfreiheiten erster Güte aneinanderreiht, billigste Stereotypen bedient und sich sein Text wie ein Bewerbungsschreiben für einen Parteiübertritt zur SVP liest. Das Hauptproblem ist aber, dass Hausers wacklige Argumentation durchzogen ist von einer sexistischen Denkweise, angefangen bei der Definition des Kopftuchs als «tertiäres Geschlechtsmerkmal» bis zum Vergleich zwischen Übergriffen durch katholische Priester in der Kirche und «männlichen Jugendlichen aus dem Maghreb» in den Badis. Dazu passt, dass er alle Muslimas in denselben Topf wirft – selbst dort, wo zwischen erzwungenem und freiwilligem Kopftuchtragen differenziert und behauptet, eine «moderne selbstbewusste Muslima» würde auf das Tragen dieses «Accessoires» (!) verzichten.

Über religiöse Symbole im Unterricht kann und muss man diskutieren, aber nicht so. Zentral ist ohnehin, was der Stadtsanktgaller Bildungsdirektor Mathias Gabathuler Mitte Juli im «Tagblatt» sagte: «Uns geht es um die fachliche Qualifikation unserer Lehrerinnen und Lehrer und nicht um ihren Glauben oder ihre Religionszugehörigkeit. (…) Ich persönlich erachte Vielfalt als Chance, auch im Schulunterricht.» Im Interview ging es notabene darum, dass in St.Gallen eine Muslima mit Kopftuch unterrichtet. Wir empfehlen Bernhard Hauser (und anderen Verbotbefürworter:innen), mal an jener Schule nachzusitzen. Das glättet zwar nicht die zerzausten Haare, biegt dafür aber im besten Fall im Kopf etwas zurecht.

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