Herr Markus Ritter hat kürzlich verkündet, seine Frau werde wohl «Opfer bringen» müssen, sollte er nach Bern berufen werden. Egal, wie er das gemeint hat, nach moderner Rollenverteilung klingt das nicht. Apropos Rollen: Die meisten Frauen, queere Minderheiten und Personen, die nicht der heteronormativen Männlichkeit entsprechen, kämpfen bis heute für Gleichstellung – auf jeder erdenklichen Ebene und das seit mehreren hundert Jahren. Und die Opfer, die sie bringen, sind um einiges grösser, als dasjenige, mit Herrn Ritter verheiratet zu sein (vermutlich). So ist Morgen, am 8. März, internationaler feministischer Kampftag. Auch in St.Gallen findet um 17 Uhr eine Kundgebung statt.
Derweil opfert die Autobahnlobby, die gestern im Namen der gesamten Ostschweiz trotz Volksentscheid die dritte Röhre verlangte, den Willen der städtischen Stimmberechtigten auf dem Ego-Altar. Auf dem schon überquellenden Ego-Altar von Dagobert Trump hingegen landeten diese Woche einmal mehr Wahrheit, Friede und Zusammenarbeit – das grösste «Opfer» hier brachte (einmal mehr) die Ukraine. Aber auch die Demokraten wirkten mit ihren «False»-Schildern eher wie Opfergaben bei dem Versuch, Trumps selbstbeweihräuchernde Rede über seine «astronomischen Verdienste» öffentlichkeitswirksam zu demontieren.
Letztlich wurde aber auch hierzulande ein grosses Stück Seriosität geopfert, allerdings in Muttenz. Dort liess der Verteidiger von Sepp Blatter anlässlich dessen Berufungsprozesses verlauten, es sei «böswillig» anzunehmen, der Blatter habe zwei Millionen gehabt, die er einfach so dem Herren Platini überwiesen habe. Aha. Da hätte er die zwei Millionen wohl besser Paul (selig), seines Zeichens Krake und Fussball-Orakel, geopfert, vielleicht hätte dieser das Aquarium dann länger ertragen und er könnte noch heute die Zukunft vorhersagen.