Morgen ist in Zürich wieder grosse Pride. So gross wie zuletzt wird sie leider nicht mehr. Finanzielle Schwierigkeiten und interne Querelen zwingen den grösstenteils ehrenamtlich arbeitenden Verein, den Anlass abzuspecken. Das Festival auf der Landiwiese im Anschluss an die Demo ist abgesagt. Der «Blick» hat bei den Organisator:innen nach den Gründen gefragt und kalauert dann in einer Bildlegende, dass «diverse Faktoren» zur Absage geführt hätten. Und rechts der politischen Anstandsgrenze hört man jetzt schon frotzeln, dass ja eh klar war, dass die LGBTQIA+’s nix auf die Reihe kriegen, ausser unsere Jugend in die Homosexualität zu treiben.
Man möchte sich gar nicht vorstellen, welche Schenkelklopfer sie landläufig noch auf Lager haben zur Thematik. Aber solange sie bloss ihre eigenen Schenkel beklopfen … Sollen sie doch täubelen an den Stammtischen. Denn die SVP-ler:innen müssen ja viel verdauen derzeit: kulturpolitische Niederlage auf ganzer Linie betreffend St.Galler Lotteriefonds und auf nationaler Ebene zum wiederholten Mal eine Anti-Ausländer-Abstimmung verloren.
Doofe Stimmbevölkerung. Die soll jetzt die Suppe, die sie sich mit dem Nein zum 10-Millionen-Deckel eingebrockt hat, gefälligst selber auslöffeln. Die rassistischen Besserwisser:innen können sich jetzt getrost wieder in ihre Oppositionsrolle bequemen und jene politischen Lösungen torpedieren, welche die urbanen Nein-Sager:innen nun vorschlagen werden – notabene jene Bevölkerungsgruppe, die am ehesten von den adressierten Problemen wie Wohnungsnot und ÖV-Gedränge betroffen ist.
Da kommt der interne Pride-Ärger grad gelegen, um den Frust über das eigene politische Unvermögen ein bisschen abzuleiten. Zum Teufel mit der Diversität. Wenn man etwas will, braucht es Einheit und Klarheit, sprich: unbedingte Linientreue. Nur so gelang es diese Woche im Nationalrat, das von der Bevölkerungsmehrheit einst abgesegnete Atomkraft-Moratorium wieder auszuhebeln. Mehrere SVP-Grössen hatten so eindringlich auf ihr abweichlerisches Genfer Fraktionsgspänli Daniel Sormanni (MCG) eingeredet, bis dieser einknickte und schliesslich für das AKW-Comeback votierte. Das Abstimmungsresultat war mit 100:98 äusserst knapp. So geht Meinungsfreiheit in der «Partei der Freiheit».