Saiten Wochenschau

Wenn es langsam wärmer wird und die Luft ganz plötzlich wieder nach Erde, Beton und Abenteuer riecht, ist der Frühling nicht mehr weit. Und wo der Frühling nicht weit ist, sind bald Sommerferien. Aber so optimistisch sind wir ja nicht – spinnsch enart. Es ist nicht lange her, da hat sich die kalte Luft morgens noch durch die Nasenlöcher geschnitten und die Zehen in den Schuhen taub werden lassen. Aber mit den ersten Schneeglöggli, die sich durch die braune Granita der Gärten kämpfen, weicht eben auch die Winterdepression einem zaghaften Optimismus.

Fremde werden gegrüsst, ja vielleicht sogar angelächelt, einfach so, weil die Sonne scheint. Oder man lässt einander in der Schlange beim Bäcker vor, weil ein bisschen länger draussen an der Sonne stehen doch läss ist. Und die ganz Glücklichen finden sich wieder in taumelnden Frühlingsgefühlen, die alles einnehmen, verschlingen und kichernd auf bunten Wiesen wieder an die Oberfläche pusten.

Bade-Enthusiast:innen werden allerdings mit Schrecken vernommen haben, dass im Bodensee Motorhydrauliköl ausgelaufen ist. Keine Tankladung, trotzdem übel für die Fische – und man hätte es vielleicht noch brauchen können. Zumindest in der Stadt St.Gallen. Denn trotz Energiekonzept 2050 sind dort weiterhin viele Verbrenner unterwegs. Ein gerade bekanntgegebener Zwischenstand zum Konzept zeigt, dass die Stadt in Sachen Mobilität so gar nicht auf Kurs ist: «Die Autos werden immer grösser und schwerer», heisst es bei der städtischen Dienststelle Umwelt und Energie gemäss «St.Galler Tagblatt». Auch der Ausbau der Velowege stagniere und Bund und Kanton senden «widersprüchliche Signale». Man glaubt es kaum.

Zeit also aufs Velo umzusatteln! Ist gut für das Energiekonzept 2050, sowieso für die Kinder und die Zukunft. Und macht Spass im Frühling. Und ist strategisch vielleicht auch nicht so doof, angesichts brennender Tanker in der Strasse von Hormus. Also: Auf die Velos und hopp in den Frühling – nur nicht zu oft nach rechts und links schauen, das gefährdet das sichere Fahren und den Optimismus.

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