Dem Papst mal eben die Leviten lesen, weil er ein Ende der Kriege gefordert hatte, und sich selbst als gottgesandter Heilsbringer inszenieren? Kann man als US-Präsident machen. Erst recht, wenn man à la Sonnenkönig Louis XIV herrscht, muss man sich von einem Leo XIV. bestimmt nichts sagen lassen. Und nicht zu vergessen: Donald Trump ist zweifach gekürter Friedensengel, nachdem ihm zuerst Gianni Infantino dorthin gekrochen war, wo die Sonne niemals scheint, und den FIFA-Friedenspreis überreicht hatte, ehe ihm María Corina Machado ihre Friedensnobelpreis-Medaille überliess.
Ausserdem trägt Leo eine Mitschuld an der Abwahl von Ungarns Regierungschef Viktor Orban, den Trump gerne als guten Freund bezeichnet hat. An Ostersonntag, nur eine Woche vor den Wahlen in Ungarn, sprach der Papst im Vatikan traditionsgemäss den Segen «Urbi et Orbi», anstatt mit «Urban et Orban» noch etwas Wahlkampf zu machen wie Trump selbst.
Neben dem unterbelichteten Sonnenkönig hat hierzusaitenlande auch die Sünneli-Partei einen religiösen Angriff abzuwehren. Wie seit Ostersonntag bekannt ist, will die muslimische Gemeinschaft El-Hidaje an der Fürstenlandstrasse in St.Gallen eine Moschee für bis zu 400 Menschen bauen – es wäre eine der grössten in der ganzen Deutschschweiz. Konkret ist das Projekt noch nicht, doch sicherheitshalber haben die beiden SVP-Scharfmacher Sascha Schmid und Christian Vogel sowie Parteikollege Philipp Köppel bereits zwei Tage später im Kantonsrat einen Vorstoss eingereicht. Unter anderem wollen sie von der Regierung wissen, welche Massnahmen sie gegen islamistischen Extremismus in und um Moscheen trifft oder um Parallelgesellschaften mit eigenen islamischen Regeln beziehungsweise Rechtssystem rund um Moscheen zu verhindern. Auch die Kosten von bis zu 15 Millionen Franken lassen die Kantonsräte vermuten, dass sich «islamische Staaten, deren religiöse oder kulturelle Ableger oder andere ausländische Organisationen» an der Finanzierung beteiligen und so Einfluss auf die hiesigen Muslim:innen nehmen.
Solche Pauschalverurteilungen von Muslim:innen gehören insbesondere in den asozialen SVP-Medien längst zur Tagesordnung. Und dass gerade die SVP mit ihrer Politik der Spaltung Parallelgesellschaften fördert – geschenkt. Wir schliessen uns an dieser Stelle dem Appell von Leo XIV. an: Statt Konflikte zu schüren und Gräben zu öffnen, müssen wir alle gemeinsam Brücken bauen und uns um ein friedliches Zusammenleben bemühen. Denn Frieden beginnt im Kleinen.