Die Ausstellung «Ich Tier Wir» im Open Art Museum in St.Gallen macht deutlich, wie zwiespältig unser Verhältnis zum Tier ist. Und ob Lebensmittel oder Familienmitglied: Tier bleibt Tier.
Nur in der Fiktion können Tiere ihr «Tier-sein» zumindest teilweise überwinden. So haben Cartoon-Charaktere oft eine tierische Gestalt, verhalten sich aber menschlich und sind an soziale Konventionen gebunden. Das führt mitunter zu absurden Situationen, wie am Beispiel von Donald Duck deutlich wird.
Der berühmte Erpel trägt üblicherweise nur ein Matrosenoberteil, der Unterkörper bleibt unbedeckt. Doch sobald Donald sein Oberteil verliert, empfindet er plötzlich Scham, bedeckt sich hastig und sucht nach neuer Kleidung. Warum ist dieser Moment so schambehaftet? Denn obwohl Donalds Körper unverändert bleibt, erscheint ihm seine Nacktheit nun problematisch.
Nacktheit ist in unserer Gesellschaft eng mit Scham verknüpft – ein Mechanismus, der auch in der Cartoon-Welt funktioniert. Doch für Donald geht es um mehr als Nacktheit, denn seine Kleidung trennt ihn vom «Tier-sein». Ohne die Matrosenjacke löst sich diese Grenze auf und er ist nur noch Tier.
Und so schämt sich der Erpel nicht nur für seine Nacktheit, sondern auch für sein eigentliches «Tier-sein».