Die Polizei bringt man eher mit Wasserwerfern in Verbindung als mit Spasskanonen. Kein Wunder, es gibt schliesslich wenig zu lachen, wenn man den ganzen Tag damit beschäftigt ist, irgendwelchen Gesetzesbrecher:innen hinterherzujagen oder sie zu bestrafen.
Um etwas Farbe in den Blaulicht-Alltag zu bringen, läuft unter den Polizeien seit Anfang Jahr die Blaulicht-Leiter-Challenge auf Instagram. Das Ziel ist dabei, in 30 Sekunden möglichst viele Kniebeugen, Liegestützen und sogenannte «Bergsteiger» (oder Mountain Climbers) zu absolvieren, abwechselnd und aufsteigend von einer bis zehn Wiederholungen.
Verfolgt man die Challenge-Spur zum ursprünglichen Tatort zurück, landet man in Luzern. Von der dortigen Polizei ging es der Reihe nach zur Kapo Schwyz, zur Zuger Polizei, zur Kapo Obwalden, zur Kapo Uri, zur Kapo Aargau, zur Kapo Basel-Stadt, zur Stadtpolizei Uster sowie zur Kapo Thurgau. Und von dort wanderte dieser Kelch vor zwei Wochen an die Stadtpolizei St.Gallen.
Ihr am Montag veröffentlichter Beitrag zur Challenge ist jedoch ein ziemlich verunglückter Schuss in den Klischeeofen. Während Heinz, ein älterer Quartierpolizist, zur Stärkung erst mal eine Wurst isst, übernimmt Boris, ein Bulle von einem Schmierler, die Übungen. Und packt dann, weil Heinz erst die Hälfte seiner Wurst verspeist hat, als «next level» noch ein paar Übungen an der Street-Workout-Anlage drauf. Siebesiech.
Die Stapo trägt die Blaulicht-Leiter-Challenge nun ins Ausland: Sie hat die Polizei Bayern nominiert bzw. aufgefordert, ihren Senf dazuzugeben – «aber nicht auf unsere Bratwurst, ihr könnt eure Weisswurscht nehmen». Sieht so aus, als bräuchte die Spasskanone der Stapo wieder mal eine Kolbenspülung. Die Polizei Bayern hat die Challenge inzwischen angenommen, natürlich folgte prompt nochmal der Senf-Hinweis aus St.Gallen. Recht und Ordnung muss schliesslich sein. Doch wenn Boris und seine Kolleg:innen nicht einmal mit den Würsten von Mass-Voll und den Würstchen der Jungen Tat fertig werden, sollten sie anderen besser nicht vorschreiben, wie sie welche Wurst zu essen haben. Denn das ist wenigstens, im Gegensatz zur Faschoparade durch die St.Galler Innenstadt, völlig wurst.