Dass die Schweiz sich hin und wieder als Bananenrepublik outet, ist hinlänglich bekannt – schliesslich schreibt sogar Prof. Dr. Tschätt Dschii-Pi-Tii sinnvollere Verordnungen als das St.Galler Stadtparlament (siehe Wochenschau vom 23. Mai). Auch klar ist, dass das Wort «Bananenrepublik» zu Recht in Verruf geraten ist. Nicht um Bananen, dafür um ähnlich faule Äpfel, geht es zurzeit im Thurgau. In einem Video aus der «Republic of Apples», das die Basisgewerkschaft FAU in Umlauf gebracht hat, erzählen Erntehelfer:innen, dass sie auf ihrem Hof ausgebeutet werden. Je nach Herkunft erhalten sie unterschiedlich niedrige Löhne, dürften während der Arbeit nicht auf die Toiletten gehen und nicht miteinander sprechen. Die Zustände auf dem Hof würden «immer schlimmer».
Mittlerweile ist der verantwortliche Bauer aus Mostindien bekannt. Gegenüber dem «Tagblatt» lobt dieser die Umstände auf seinem Hof. So gäbe es natürlich Toiletten, sogar ein Velo, um dort schnell hinzugelangen und auch eine Kaffeemaschine stünde den Erntehelfer:innen zur Verfügung – hallo, bei so viel Mitgefühl, kann man doch devote Maloche erwarten, oder nicht?
Missverständnisse bezüglich der Arbeitsverträge hält er ausserdem für kaum vorstellbar, sei doch beim Unterzeichnen eine Übersetzungshilfe vor Ort gewesen. Ganz verdattert fügt der Bauer an, dass die Löhne der Ukrainer:innen tiefer seien, weil sie ein Praktikum machen würden, aber das habe nichts mit ihrer Herkunft zu tun. Ein Praktikum im Erntehelfen? Aber hey, es gibt ein antikes Velo und Kafi. Die übrigen Löhne entsprächen dem Normalarbeitsvertrag.
Dieser lässt allerdings viel Raum für Interpretation. So wird beispielsweise nicht angegeben, wie viele Stunden pro Woche gearbeitet werden dürfen, sondern lediglich, wie viele pro Kalenderjahr. Da kommen wohl mehr Stunden zusammen, als dass 3000 Franken im Monat (für Ungelernte aus der EU in der ersten Saison, gemäss NAV) noch gerecht wären – sofern man bei 3000 Franken im Monat gegenüber rund 6000 Medianlohn bei harter, körperlicher Arbeit überhaupt von Gerechtigkeit reden kann.
Abhilfe schaffen könnte ein GAV – und Kontrollen. Neben der Unia fordern dies heuer auch Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbandes, und Gabriel Macedo, Parteipräsident der Thurgauer FDP. Ein Bauernvertreter und ein Bürgerlicher, die Lohnkontrollen fordern? Klingt zukunftsträchtig. Trotzdem und ganz allgemein wird man das Gefühl nicht los, dass hier der Wurm drin ist.