Dass Frauen und Männer anders krank werden, ist an sich keine Neuheit. Dass sich die Medizin vermehrt mit den Geschlechterunterschieden auseinandersetzt, hingegen schon. Gendermedizin heisst die noch junge Disziplin. Allein schon der Name weckt bei vielen Zeitgenossen (und -genossinnen) aber bereits ungute Gefühle. Neumödiges Wischiwaschi, Genderpfui.

Natürlich muss auch das neue gute Boomer-Gewissen seit Zeyers Abgang beim Onlinemagazin «Die Ostschweiz», Thomas Baumann (aus welchem Zilinder haben sie eigentlich den herausgezaubert?), darüber vom Leder ziehen. Er enerviert sich in einem aktuellen Meinungsbeitrag darüber, dass immer und überall für jeden noch so kleinen Unterschied in der geschlechtsspezifischen Entwicklung von Körper und Geist soziale Gründe als Ursache herangezogen werden. Und er stellt natürlich die neoliberale Gretchenfrage: «Und was sagt der freie Markt zum Ganzen?» Seine (Baumanns) Antwort: «Wohlfeile Slogans ohne viel Substanz dahinter.»

Entgangen ist dem Schreiber, dass nicht überall, wo Gender draufsteht, auch automatisch Genderdebatte gemeint und damit seine Meinung danach gefragt ist. Man könnte nämlich auch von «Geschlechtermedizin» reden, was aber nicht passiert, weil überall wos vermeintlich oder tatsächlich modern wird, Anglizismen nicht weit sind, man kennt es aus dem Management-Jargon. Das sollte auch dem wirtschaftsnahen Baumann nicht entgangen sein. Dass er die dumpfe Marktfrage stellt, überrascht also nicht, zeigt aber auch eines der grössten Probleme der schweizerischen Gesundheitspolitik. Sie wird noch immer einzig unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit verhandelt.

Von Genderei will der «Ostschweiz»-Kolumnist nichts wissen, viel lieber möchte er über die tatsächlichen biologischen Unterschiede reden. Nichts anderes tut aber die Gendermedizin. Für ihn scheinen aber Marktgesetze gleichsam Naturgesetze zu sein. Man könnte meinen, die Menschheit sei geistig schonmal an einem anderen Punkt gestanden. Saiten empfiehlt dem Herrn die Belegung des MAS-Studiengangs Paliative Care an der OST, der soeben gestartet ist, sich eingehend mit gendermedizinischen Aspekten auseinandersetzt und sicherlich auch volkswirtschaftliche Erwägungen nicht gänzlich ausspart.

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30 Jahre Galerie Adrian Bleisch

Vielleicht war es eben doch Koketterie, als Adri- an Bleisch, angesprochen auf das anstehende 30-Jahr-Jubiläum, vor gut einem Jahr gegenüber «thurgaukultur.ch» meinte, solche Jahrestage seien ihm schrecklich egal. Ungefeiert verstreichen lassen wollte er den Termin nun aber doch nicht und verpasst seiner Galerie Bleisch zum 30. eine Gruppenausstellung, die es in sich hat: 30 Werke von 30 Künstler:innen, die irgendwann in den letz- ten 30 Jahren schonmal (oder mehrfach) bei ihm ausgestellt haben. Die Ausstellung bietet einen «interessanten und bereichernden Einblick in die zeitgenössische Kunst der Ost- und Innerschweiz», wie es in der Ankündigung heisst. Am Samstag ist Vernissage.

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