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Kaum hat das neue Jahr begonnen, hat St.Gallen bereits seine erste Politposse. Ausgelöst hat sie das «St.Galler Tagblatt» mit einem Bericht über die Wahl des neuen Stadtparlament-Präsidiums. Die Fraktion von Grünen und Jungen Grünen hatte als neuen Vize Jeyakumar Thurairajah nominiert, der dann 2026 als Präsident amten wird. Der 54-Jährige, der 1988 aus Sri Lanka in die Schweiz geflüchtet ist und seit 2016 im Stadtparlament sitzt, spricht jedoch «gebrochen Deutsch», weshalb man «sich konzentrieren und gut zuhören» muss, um seine Voten zu verstehen, so das «Tagblatt». Aus diesem Grund sollen einige Parlamentarier:innen «hinter vorgehaltener Hand» Thurairajahs Eignung für das Amt des Parlamentspräsidenten in Zweifel gezogen haben. Der Einzige, der mit Namen hinstand, war Donat Kuratli, Präsident der städtischen SVP.
Der Artikel löste eine geharnischte Reaktion der Grünen und der SP aus. «Solche Berichterstattung, die hinter vorgehaltener Hand geäusserte Vorurteile verstärkt, geht einer fremdenfeindlichen und gefährlichen Strategie auf den Leim, die man von populistischen Rechtsparteien kennt», schrieben sie in einer gemeinsamen Medienmitteilung. Statt Polemik brauche es in St.Gallen eine sachliche, differenzierte und respektvolle Berichterstattung.
Der Vorwurf, das «Tagblatt» würde «für ein paar zusätzliche Klicks Misstrauen […] schüren», löste wiederum einen weiteren Kommentar von Chefredaktor Stefan Schmid aus. Die Frage, ob ein Politiker, der nicht besonders gut Deutsch spreche, geeignet sei, ein Parlament zu leiten, sei noch lange nicht fremdenfeindlich. Es sei legitim, diese Frage zu stellen. «Es ist die ureigene Aufgabe der freien Presse in einer liberalen Gesellschaft, kritische Fragen zu stellen, widerstreitende Meinungen darzulegen, Wahlprozesse zu begleiten, Entscheide zu hinterfragen.»
Das stimmt. Nur: Die Aufgabe der Medien, hinzuschauen und Sachverhalte einzuordnen, beinhaltet eben auch die Frage, ob es sich überhaupt um ein «Problem» handelt – und für wen. Gewiss, es gibt bestimmte Eigenschaften, aufgrund derer Politiker:innen mehr oder weniger geeignet sind für bestimmte Ämter. Aber worüber wird hier eigentlich diskutiert? Bei allem Respekt für dieses Amt: Glaubt jemand ernsthaft, Thurairajah könne eine Parlamentssitzung nicht leiten, nur weil sein Deutsch nicht perfekt ist? Und dass man sich im Rat «konzentrieren und gut zuhören» muss, ist ohnehin das Mindeste, was man von den Parlamentsmitgliedern erwarten kann. Unabhängig davon, ob die Äusserungen in gebrochenem oder perfektem Deutsch daherkommen.
Thurairajah wurde am Dienstag übrigens gewählt – bei drei Enthaltungen und ohne Gegenstimme.
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(Info)
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(Info)
19. Januar, 19 Uhr,
Perronnord St. Gallen
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